DIY Gast-Spezial2

Selbstgemachter Lifestyle, DailyArtDesign macht mit – Special Guest

 

Zeichnen macht Spaß und schafft wunderschöne, dekorative Einzelstücke. Doch was muss man beim Zeichnen eigentlich beachten? Braucht man besonderes Talent? Martina Köhler hat sich ganz der Kunst verschrieben. Wenn sie malt, vergisst sie alles um sich herum. Ihre Leidenschaft für die Kunst möchte sie mit euch und DailyArtDesign teilen und hat im Rahmen eines Gastbeitrags das 1×1 des Zeichnens verfasst.

 

Ich will auch zeichnen, aber…

 

© Florian Kunde via Posterlounge.de

Kein aber, dann tu es! Denn aber ist ein ganz schlechtes Wort. Es lässt uns tausend Gründe erfinden, um unser Vorhaben nicht umzusetzen. Also vergiss bitte ganz schnell dieses Wort. Du willst zeichnen, also zeichne und nach Möglichkeit jeden Tag! Alles, was du dazu brauchst, sind ein Kugelschreiber oder ein ganz normaler Füller. Ich habe ganz bewusst nicht einen Bleistift empfohlen. Denn ein Bleistift verleitet uns unweigerlich zum Radieren. Doch dass ist das Schlimmste, was du dir angewöhnen kannst. Ich muss zugeben, dass ich diesen Fehler begangen habe und es sehr lange gedauert hat, bis ich mir dies wieder abgewöhnt habe. Deshalb sage ich es auch mit Nachdruck. Bitte nimm keinen Bleistift!

© Jacques-Louis David via Posterlounge.de

Nun fehlt dir nur noch das Zeichenpapier. Auch hier möchte ich dir empfehlen, nicht mit billigem Papier anzufangen. Ein Papier mittlerer Preislage und Qualität sollte es schon sein. Achte bitte darauf, dass es wenigstens 100mg/m² hat. Denn auch hier läufst du Gefahr bei dem billigen Papier hängen zu bleiben, weil du denkst, dass deine Zeichnungen nicht gut genug für teures Papier wären. Das kann sogar soweit gehen, dass eine richtige Blockade in deinem Kopf entsteht, sowie du hochwertiges Papier vor dir zu liegen hast.

 

Jetzt kann es losgehen. Suche dir einen hellen Platz und achte darauf, dass das Licht von vorne auf dein Papier fällt, und zeichne. Höre ich schon wieder ein aber? Du fragst dich, was du zeichnen sollst? Schau dich um in deiner Wohnung. Es gibt Hunderte von Motiven, die nur darauf warten von dir entdeckt zu werden. Das kann die Cremetube, eine Tasse, die Kaffeemaschine, ein Keks oder eine kleine Figur, die in deinem Schrank steht, sein. Alles ist zeichnenswert! Schön und gut höre ich dich sagen. Bis hierher habe ich alles so gemacht, aber jetzt sitze ich vor diesem weißen, jungfräulichen Papier und es jagt mir eine höllische Angst ein, es zu verunstalten. Stopp! Hatten wir uns nicht darauf geeinigt, das Wort ABER aus unserem Wortschatz zu streichen?

 

© Martina Köhler via martinakoehlerdigiart.weebly.com

 

© Gabriela Wendt via Posterlounge.de

Diese Angst, vor einem leeren Blatt Papier haben viele – sowohl Autoren, wie auch Zeichner. In diesem Fall möchte ich dir eine kleine Übung vorschlagen. Entspanne dich, nimm deinen Stift in die Hand und male in einer Linie kreuz und quer über das Blatt. So ähnlich wie bei dem Kinderspiel „Misthaufen“. Wenn du der Meinung bist, dass es genug ist, hörst du auf und schaust dir die Linien an. Versuche darin irgendwelche Figuren zu erkennen. Dann verstärkst du die Umrisse dieser Figuren und malst sie aus. Schon hast du eine kleine Skizze angefertigt. Diese Übung nimmt dir nicht nur die Angst vor dem leeren Papier, sondern sie fördert auch deine Kreativität und dein Sehen. Danach solltest du eine kleine Zeichnung von einem Gegenstand deiner Wahl anfertigen.

Am Anfang habe ich dir gesagt, dass du nach Möglichkeit jeden Tag zeichnen solltest und das meine ich auch so. Jeden Tag zeichnen bedeutet nicht, jeden Tag eine Meisterzeichnung anzufertigen, sondern es führt dich auf den Weg des Zeichnens. Auch hier höre ich schon wieder dein Lautes „Aber ich habe gar keine Zeit jeden Tag zu zeichnen“. Doch hast du! Es reicht, wenn du jeden Tag nur 1 Minute lang zeichnest. Deine Zeichnungen solltest du in einer Mappe aufbewahren und am Anfang niemanden zeigen. Denn nichts kann mehr demoralisieren als ein unbedachtes Wort einer Person, die glaubt, es gut mit dir zu meinen. Irgendwann wirst du wissen, wann es Zeit ist, deine Zeichnungen jemanden zu zeigen. Dann bist du auch dafür gewappnet und versinkst nicht in einem Gefühlschaos oder hörst sogar mit dem Zeichnen auf. Zum Abschluss möchte ich dir noch ein paar Zeichen und Motivationstipps geben.

 

© Martina Köhler via martinakoehlerdigiart.weebly.com

  • 1 Übe dich im Betrachten. Schaue dir sooft wie möglich andere Zeichnungen an. Studiere sie. Dadurch schulst du dein Auge und es fällt dir leichter, selbst etwas umzusetzen.
  • 2 Zeichne für dich, aus Spaß an der Freude, nicht um irgendjemanden etwas zu beweisen oder zu schenken.
  • 3 Zeichne viel, ob unterwegs, zu Hause oder wo immer du gerade bist. Das geht immer, auf einen Kassenbon, einer Serviette, einfach in den Sand am Straßenrand oder einem kleinen Oktavheft, dass du bei dir führst.
  • 4 Solange du noch wenig Zeichenerfahrung besitzt, zeige niemanden deine Zeichnungen, der dir ungefragt über die Schulter schaut.
  • 5 Zeichne jeden Tag wenigsten 1 Minute, je länger desto besser. Du wirst schnell merken, dass du es bald gar nicht mehr erwarten kannst, mit deiner täglichen Zeichnung zu beginnen.
  • 6 Freue dich über jede deiner Zeichnungen. Sie ist dein ganz persönlicher Weg!
  • 7 Jede deiner Zeichnungen ist einzigartig und unvergleichlich! Deshalb vergleiche sie nicht mit Zeichnungen anderer. Deine Zeichnung trägt deine persönliche Handschrift und nicht die anderer.
  • 8 Beim Zeichnen gibt es keine Regeln. Es ist alles erlaubt: Wischen, kratzen, schmieren, was dir so einfällt!
  • 9 Benutze keinen Radiergummi!

© Jacques Louis via Posterlounge.de

  • 10  Niemand kann dir sagen, wie man eine Blume zeichnet. Du musst es selbst erfahren, wie man sie zeichnet.
  • 11 Wenn deine Zeichnung anders aussieht, als du es dir vorgestellt hast, sei nicht enttäuscht. Denn Zeichnungen sehen immer anders aus, als man sie sich vorstellt.
  • 12 Wenn du jemanden deine Zeichnungen zeigst, lass sie auf denjenigen einwirken, ohne dass du ihm sagst, was deiner Meinung nach verbesserungswürdig wäre.
  • 13 Sprich nie abfällig über deine Zeichnungen. Nicht einmal zu dir selber!
  • 14 Zeichnen können, heißt einen Stift in der Hand zu halten, und auf Papier Linien zu zeichnen.
  • 15 Du kannst das Zeichnen einer Zeichnung nicht auf später verschieben, denn dann wird sie eine völlig andere sein als jetzt!
  • 16 Wenn du glaubst, dir fehlt das Talent zum Zeichnen, sei beruhigt. Du hast es! Denn wir können nicht vermissen, was wir nicht besitzen!
  • 17 Wirf nie eine Zeichnung gleich nach dem Zeichnen weg. Lege sie beiseite und schaue sie dir ein paar Tage später an und du wirst überrascht sein, wie gut sie dir gefällt. Zur Not kannst du sie ja immer noch wegwerfen.

© Martina Köhler via Posterlounge.de

 

  • 18 Lass dich nicht vom Gesetz der Trägheit unterkriegen und warte mit dem Zeichnen, bis du Lust dazu hast. Es könnte sein, dass du für immer wartest. Oft reicht ein kleiner Ruck und man ist mitten drin im Zeichenfluss. Je öfter du zeichnest, desto steter wächst der Suchtfaktor danach. Siehe Tipp 5.
  • 19 Wenn du wirklich mal gar keine Lust hast zu zeichnen, dann lass es sein und zeichne morgen wieder. Hauptsache du siehst es nicht als Zeichen dafür, dass du nicht fürs Zeichnen geschaffen bist.
  • 20 Du kannst auch ohne Stift und Papier zeichnen. Wie? Ganz einfach, schau dir einen Baum oder was immer du möchtest ganz genau an. Dann schließ die Augen und zeichne die Linien und Umrisse vor deinem geistigen Auge nach. Diese Übung schult deine Beobachtungsgabe und hilft beim Zeichnen auf Papier.

 

  • 21 Achte auf deine Gedanken und Worte beim Zeichnen. Mach dich nicht mit negativen Äußerungen wie, „das wird nie etwas“, „ich habe kein Talent“, „das sieht total bescheuert aus“, fertig.
  • 22 Noch einmal, es gibt keine andere Motivation, als deine eigene. Es gibt keine göttliche Stimme oder Eingebung, die dir sagt, so jetzt musst du unbedingt etwas zeichnen.

Nun solltest du genug Rüstzeug besitzen, um dich in dein eigenes großes Abenteuer, das Abenteuer deiner urpersönlichen Kreativität zu stürzen. Ich wünsche dir viel Freude dabei.

 

DailyArtDesign bedankt sich bei Martina Köhler für diesen anregenden und motivierenden Artikel.

 

Maria Di Martino, Marcel Wallace gefällt dieser Artikel

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