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© sarah kastner via posterlounge.de

Aktfotografie – Magie der hüllenlosen Schönheit

Das wichtigste Instrument und die größte Kraft eines Fotografen ist nicht, wie vielleicht vermutet, seine Kamera oder das erlernte Handwerk, mit dem er sein Sujet einfängt – das Auge ist es, was ihn ausmacht. Einen Blick für die Dinge zu entwickeln, an denen andere Menschen vielleicht achtlos vorbeigehen, dessen Schönheit zu begreifen und sie in seinem Bild gekonnt festzuhalten – das ist es, was einen Künstler zu einem solchen macht. Selbstverständlich sollte er sein Handwerk beherrschen, aber das, was seine Bilder zu Kunst macht, ist definitiv sein Auge, mit dem er die Welt in ihren Feinheiten sieht. Dies wird dann für die Ewigkeit eingefroren; ein einziger Augenblick, der so vieles erzählen kann, über die Stadt, in der man lebt, über das Körnchen Blütenstaub auf seiner Lieblingswiese oder über die Menschen, die einen umgeben.

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Neben Porträts ist die hohe Schule der Fotokunst die Gestaltung von Akten. Täglich schwappt eine Welle von Nacktfotos durch die Medien, aber das, was bei einem guten Akt im Mittelpunkt stehen sollte, erfüllt meist keines der Bilder: Die Schönheit des menschlichen Körpers.

Letztlich geht es bei einer guten Aktfotografie darum, die zarten Augenblicke der menschlichen Ästhetik einzufangen, Emotionen zu transportieren und so vielleicht sogar einen Einblick in die menschliche Seele zu geben.

 

Nacktsein birgt immer etwas Zerbrechliches. Ohne den Schutz der Kleidung ist man nicht nur hüllenlos, ein Stück der eigenen Kontrolle geht verloren. Diese erhält letztlich der Fotograf oder in der Malerei der Künstler, dessen Herausforderung es ist, die Eigenheiten, das Besondere des Menschen in seiner Kunst herauszustellen. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob das Sujet knochig oder rund ist – die Haltung, das Licht, das gezeigte Detail sprechen dann für sich. Doch was macht einen guten Akt aus?

 

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Die zarten Augenblicke menschlicher Schönheit einzufangen – ist das vielleicht das Geheimnis einer gelungenen Aktfotografie? Für DailyArtDesign ist es wie bei der Fotografie an sich – das Bild muss sich „echt“ anfühlen, es muss authentisch sein. Jene Authentizität gepaart mit der Natürlichkeit in Bewegungen, Posen, im Gesichtsausdruck ist sicherlich ein großer Teil eines gelungenen Aktbildes. Aber, und nun rückt auch das Handwerkliche in den Blickwinkel des Geschehens, auch die Lichtverhältnisse und die Spannung im Bild sollten nicht nur harmonieren- sie müssen den Betrachter an das Motiv fesseln. Und wenn es uns dann nur für einen Bruchteil einer Sekunde den Atem nimmt, hat das Foto unser Herz erreicht.

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Helmut Newton gilt sicherlich als der Meister der Aktfotografie. Doch mit großem Respekt denken wir auch an Günther Rössler, der mit seinen Bildern seine ganze Verehrung der weiblichen Schönheit zum Ausdruck brachte und wirkliche Augenblicke der Zartheit erschuf.  Die Spannbreite ist weit – das erste fotohistorisch dokumentierte Foto wird auf 1845 datiert, Eugene Delacroix fertigte als einer der ersten Maler eine Vorlage für seine Gemälde an. Viele Maler taten es ihm gleich, war dies doch weitaus billiger als mit Modellen zu arbeiten.

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Lange waren Akte verpönt, wurden nur unter der Ladentafel gehandelt. Erst 1920 schwappte die Welle aus Paris dann auch nach Deutschland über.  In den Goldenen Zwanzigern entwickelte sich mit dem wirtschaftlichen Auftrieb eine freiheitliche Bewegung, die neue Impulse für die Aktfotografie erbrachte. Ausdruckstanz und die Freikörperkultur ließen das neue Körpergefühl entstehen. Die Faszination an Akten wuchs. Und noch heute ziehen uns die Aktstudien Klimts, die Zeichnungen Schieles und die Skulpturen Rodins in ihren Bann, die wiederrum eine grandiose Inspirationsquelle für heutige Aktfotografien bilden.

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Und sie erfüllen wohl in der Tat genau das, was für viele Aktfotografen ein gutes Bild ausmacht: Noch nach Jahrzehnten verliert es nicht seinen Wert und zeigt die menschliche Schönheit in ihrer Simplizität und Natürlichkeit.

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