Anthony Haughey

© Anthony Haughey

Aus der Misere Kunst machen – Anthony Haugheys Fotografie

Die Romantiker sahen Ruinen als Triumph der natürlichen Kräfte über menschliches Bemühen. Zerfallene Wände, sich daran entlang schlängelnder Efeu, Schutt und dahinter die untergehende Sonne, deren Licht durch die losen Steine hindurch bricht – das romantische Sinnbild von Melancholie und Verlust schlechthin. Und auch heute findet man dieses in der Fotografie wieder, gesellschaftlich-wirtschaftliche Umstände bilden quasi das Motiv dabei.

Die Bildsprache der Ruinen wird immer begleitet mit Verlust und Tragödien. So gibt es Fotokunst von Ruinen, die aus menschlicher oder auch natürlicher Gewalt rühren, oder Fotografien mit postindustriellen Ruinen, wie zerbröckelten Fabriken sowie Fotokunst von der, sagen wir, ’neu gefertigten‘ Ruine.

© Anthony Haughey

Anthony Haughey, Kunstfotograf aus Dublin, streifte nach der Abenddämmerung durch Irland um das melancholische Bild der Ruinen einzufangen, Ruinen von unfertigen Haus- und Wohnprojekten, deren Bau und Fertigstellung durch die europäische Krise abgebrochen werden mussten. Diese sind überall in Irland zu finden, begonnene und einst prächtig angedachte ‚Housing Estates‘, die nun ohne Dach, Fenster oder nur in ihrem Grundfundament auf ihre Erlösung warten.

„Ireland has been in a stasis for three years and now it’s waking up. Art becomes a conduit for critical conversation.” (Anthony Haughey)

Seine Wanderausstellung Settlement  wurde mit großem Zuspruch im November letzten Jahres in Dublin eröffnet und wird im März nun in Finnland zur Helsinki Photography Biennale gezeigt werden.

Haughey, der vor allem abends und nachts arbeitet, um Störungen durch Sicherheitsleute, die die jeweiligen Baustellen bewachen, zu vermeiden, fotografierte allein zwischen schlammigen Pfützen und den doch schaurigen Hausskeletten. Dabei nahm er das Licht der untergehenden Sonne der Romantiker scheinbar wörtlich. Seine Fotografien spiegeln alle das eigenwillige Leuchten des entschwindenden Tageslichtes wider. Sehr lange Belichtungen von über einer Stunde brachten dabei die Seele in die leeren Siedlungen, oder wie es der bekannte Kolumnist Fintan O’Toole formuliert:

„… hyper-real images that put the ghost into ghost estate.“

© Anthony Haughey

Geistersiedlungen oder die leere Zementfabrik, eines von Haugheys aussagekräftigsten Bildern sind letztlich Metaphern dafür, dass die „irish bubble“ eine Illusion war. Seine Fotografien gelten in Irland als Empörung gegen die schlecht geführte Politik im Land.

Die Ausstellung settlement wird im März in Helsinki gezeigt:

 

 

 

Helsinki City Museum, Hakasalmi Villa
Exhibition: No Exit – Urban Space
Date: March 2nd – April 22nd 2012
Address: Mannerheimintie 13b, 00100 Helsinki
Wed-Sun 11–17, Thu 11–19
www.helsinginkaupunginmuseo.fi

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