Sammlung Ringier

© Sammlung Ringier

Das verkannte Genie auf der Suche nach sich selbst – Mark Morrisroe

Die Besten sterben jung. Salopp dahin gesagt, und doch liegt darin so viel Wahrheit. John Lennon, James Dean, Freddy Mercury, River Phoenix, Romy Schneider, Marilyn Monroe, Grace Kelly – sie alle waren Genies auf ihrem Gebiet, sie alle starben zu früh. Einer von ihnen ist auch der amerikanische Fotokünstler Mark Morrisroe, der mit nur 30 Jahren 1989 an Aids starb.

 

Er war besessen von Kunst und Fotografie, besonders von Selbstportraits. Mit der Kamera seine eigene Identität zu erforschen, auszuloten, wer er wirklich ist, war seine obsessive Motivation. Arm wie eine Kirchenmaus hielt er sich mit deiner künstlerischen Experimentierfreudigkeit und Innovationslust über Wasser. Er war ein Macher, dekorierte Schaufenster, arbeitete an seiner Zeitschrift „Dirt“, deren Titel gleichzeitig sein Spitzname in der Kunst- und Punkszene Bostons war, oder fotografierte. Dabei war er kein Beobachter, er war vielmehr Teil der abgelichteten Szenen. Seinen Weg fand er in der ‚Intimität des Interieurs‘ und der fotografischen Alchemie – Morrisroe probiert sich in Gummidruck und Cyanotypie oder arbeitet mit Polaroid-Material.

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Als Sandwich-Verfahren kann man das von ihm entwickelte fotolaboristische Experiment bezeichnen, das er für seine Fotografien nutzte. Dabei stellte Morrisroe vom Farbfilm noch ein Schwarzweiss-Negativ her und belichtete die beiden dann zusammen. Das Resultat ist Morrisroes dunkle, samtige Fotokunst, über die er anschließend mit einem Edding oder Farbe zeichnete. Auch die weißen Ränder nutzte er für Skizzen oder Geschichten. Letztlich lotetet er genau das aus, was heute jedes Fotobearbeitungsprogramm kann und spielte mit Licht und Schatten und zahlreichen Effekten.

 

Drei Jahre bevor er starb, erfuhr er von seiner HIV-Infizierung. Er bringt daraufhin eine Kamera an seinem Bett an und lichtet sich erbarmungslos ab. Die letzten Motive sind die eigenen Hände.

 

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Trotz seines Talents und seines wirklich gewaltigen Potentials ist sein Name heute kaum bekannt. Erst 2004 kaufte eine Schweizer Sammlung seinen Nachlass auf und brachte es im Museum Winterthur unter. Aktuell wird Morrisroe oft mit dem Perfektionismus Robert Mapplethorpe in Verbindung gebracht, der Spontanitäts Warhols oder an die dunkel ausgeleuchtete Ästhetik des deutsch französischen Spielfilms Querelle von Rainer Werner Fassbinder.

 

Die aktuelle Ausstellung in der Villa Stuck in München ist die erste umfassende seit einer Retrospektive Mitte der Neunziger Jahre in Boston. Bis zum 28. Mai ist „Mark Morrisroe“ in München zu sehen, seine Filme werden bis Ende April im Münchener Werkstattkino gezeigt.

 

Mark Morrisroe – das bisher verkannte Genie.

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