Michael lange via hatjecantz.de

© Michael lange via hatjecantz.de

Der Wald und das Finden im Zwielicht

Rückzugsort, Stille, Natur, der Duft von Laub, das Knacken der Äste – das ist Wald pur. Die Suche nach Ruhe, nach Frieden bringt viele von uns in den Wald, man atmet einfach freier, findet sich selbst. Was für einige eher langweilig klingen wird, ist für andere die Erfüllung pur. Fotograf Michael Lange streifte beispielsweise drei Jahre durch deutsche Wälder und kreierte dabei seine Bilderserie „Wald. Landschaften der Erinnerung.“

 

© Michael Lange via michaellange.eu

Der Wald ist für den Fotografen Michael Lange ein Ort seiner Kindheit, ein Rückzugsort, wohin er fliehen konnte und wo er, aufgewachsen im Odenwald, schon in der Kindheit Kraft sammelte.  Allerdings zieht es den Künstler nicht bei strahlendem Sonnenschein ins Gehölz. Ihm sind die Sonne und ihre gleisenden Strahlen zu laut, zu intensiv. Schön, ohne Frage, aber zu überwältigend. Das, was er im Wald sucht, findet Lange im Zwielicht. So enstanden all seine Bilder in der Dämmerung oder sogar bei strömendem Regen. Die Farben verblassen, alles werde weicher. Für Lange existieren dabei nur Stimmungen, die das Wetter verbreitet. Darüber hinaus ist es ihm völlig unwichtig, ob es regnet oder neblig ist. Aber die eine Stimmung einzufangen, die seine Gefühlswelt spiegelt, das ist für ihn die Kunst. Denn, so sagt er selbst:

 

„Künstlerische Fotografie ist immer auch ein Psychogramm des Fotografen.“

 

© Michael Lange via michaellange.eu

Manche gruseln sich vor seinen Bildern, manche mögen einfach die (unheimliche) Ruhe in seiner Fotokunst. Der Wald hat für ihn etwas Zeit- und auch Ortloses. Für Lange komme es nicht darauf an, wo das Bild entsteht, sondern welche Stimmung es ausstrahlt. Dafür streifte er mancher Tage sieben oder acht Stunden durch die Wälder, markierte die Motive, um dann in der Dämmerung oder bei entsprechendem Wetter wiederzukehren und das eine Foto festzuhalten. Ihm ist im Vornherein schon klar, welchen Ausschnitt er wählen wird. Und dann bleiben meist nur 2 Minuten teilweise im Platzregen, bis das Bild im Kasten ist.

 

© Michael Lange via bildwerk3.de

Das Faszinierende dabei – in den meisten der Bilder nimmt man den Regen gar nicht wahr. Und genauso soll es auch sein. Denn der Regen ist für den Künstler einzig und allein Mittel zum Zweck. Er bricht das Licht, dämpft die Farbe – der Wald wird still, monochrom. Starkregen beispielsweise bringe, so Lange, einen feinen Nebel hervor, der dem Bild Raumtiefe verleiht. Keines seiner Bilder zeigen den Himmel oder den Horizont. Was eher nach einengender Folter klingt, ist aber eine magisch-mystische Raumtiefe, die der Fotograf schafft. Und so öffnet er mit purer Illusion die Enge. Eine Kunst. Bemerkenswert ist auch Langes Offenheit, was Photoshop angeht. Er gleicht damit Licht, Sättigung und Balancen ab, erzeugt oder vertieft Stimmungen – für ihn ist Photoshop ein Werkzeug wie jede Kamera, das er je nach Bedarf einsetzt. Doch viele seiner Bilder haben es auch ohne Photoshop – das Malerische, die Faszination an sich.

© Michael lange via michaellange.eu

 

Für DailyArtDesign ist allein schon die Obsession, drei Jahre durch die verschiedensten Wälder zu streifen, schier atemberaubend. Hinzu kommt der engagierte Einsatz, bei Wind und Wetter, Im Halbdunkel den einen Moment des perfekten Lichts, der perfekten Stimmung abzupassen – erstaunlich. Betrachtet man dann die Resultate und versinkt in der unheimlichen Weite und Stille von Langes Bildern, ist es, wie in eine andere Welt einzutauchen. Unheimlich und unheimlich gut.

 

 

Tipp: Zu sehen sind Langes Bilder bis 23.12.2012 in Berlin und ab Januar in Hamburg. Der Bildband dazu ist bei Hatje Cantz erschienen.

 

 

 

 

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