Peter Piller via spiegel.de

© Peter Piller via spiegel.de

Die Absurdität unserer alltäglichen Wirklichkeit – Peter Pillers Reize & Waffen

Erotische Waffen. Kampfjets, die an Science Fiction erinnern, fliegen im Sturzflug auf das Dekolleté einer Blondine zu. Was nach bunter Presse klingt, umschreibt eine aktuelle Fotografie-Ausstellung in Berlin. Und dabei geht es weder um Star Wars noch um James Bond.  Einzig und allein das Magazin der nationalen Volksarmee der DDR Armeerundschau steht dabei im Mittelpunkt, und damit dessen Covers und Rückseiten, die jeweils Kampfflugzeuge und DDR-Pin Up’s zeigten.

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Der Künstler Peter Piller hat jene Motive gesammelt, von Gebrauchsspuren, Texten und anderen Ablenkungsmanövern befreit und sie neu miteinander in einen fotografischen Dialog treten lassen. Speziell für die Ausstellungsort wurden die Bilder produziert – sie fallen schon von der Straße her ins Auge. Genau dies Spezielle ist auch das Ungewöhnliche an Piller, der sich 15 Jahre lang mit Regionalzeitungsfotografie, vier Jahre mit seinem Luftbildarchiv beschäftigt hat und seit über 30 Jahren zeichnet. Sein Ausgangsmaterial sind meist Schwarzweißfotos aus Zeitungen kombiniert mit Selbstfotografiertem. Schon deshalb stellt die Ausstellung eine Kuriosität dar. Noch kurioser ist aber der Ausstellungsort, der sich auf der Karl-Marx-Allee in Berlin befindet, genau an dem Ort, wo 40 Jahre lang Militärparaden mit Panzern, Waffen und Soldaten gefeiert wurden. Einfach passend.

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Die Bilder wurden von Piller, der übrigens in Leipzig als Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Fotografie lehrt, nicht nur neu geordnet und bearbeitet. Er kristallisierte sie zu zwei Symbolen heraus, zu den beiden großen Themen des menschlichen Handelns: Sexualität und Tod. Die Fotos werden als Wandbilder gezeigt, wobei die das Verführerische, Auffordernde durch die Frau verkörpert wird. Die Frau ist sein Held, der Mann der Angreifer. So spielt er mit Stereotypen und mit Gegensätzen. Feuer wird dem Wasser entgegengesetzt- die Gefahr der Feuerbrunst begegnet der friedlichen Frau, der noch vom Duschen Wassertropfen von der Haut abperlen.

“Ich kann bloß zeigen, wie was aussieht. Darauf hinweisen woran das Aussehen erinnert. Darauf hinweisen, dass ein zweiter Blick oft lohnend ist.”

(Peter Piller)

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Pillers Kunst beschäftigt sich immer mit der Banalität des Alltäglichen und man erkennt die Tristesse des Durchschnittlichen. So bildet er standardisierte Einfamilienhäuser nebst der typischen Balkonbepflanzung ab, genauso wie er Serien über die Phantasielosigkeit von Medienbildern macht. Denn wen interessiert schon das Durchschneiden von Einweihungsbändern? Und genau daraus entwickelt er seine Kunst. Seine Fotoserien erzählen triste Geschichten, die so banal wie einzigartig sind – über Trivialitäten, wie liegengebliebene Kleidung in der Öffentlichkeit, die wiederrum Geschichten von Persönlichkeiten erzählt. Der Handschuh, der traurig im Schnee verweht auf dem Boden liegt, spricht eben Bände.

 

Noch bis 22. Dezember in der Galerie Capitain Petzel!

 

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