The Estate of Erwin Blumenfeld (Sammlung Henry und Yorick Blumenfeld)

© The Estate of Erwin Blumenfeld (Sammlung Henry und Yorick Blumenfeld)

Erwin Blumenfeld – Modefotografie als Kunstform

© The Estate of Erwin Blumenfeld (Sammlung Henry und Yorick Blumenfeld)

Eines von Erwin Blumenfelds bekanntesten Fotografien ist sicherlich das „Rote Kreuz“, das schemenhaft verschwommen eine Frau zeigt – sie trägt einen Hut, ist schlank und erinnert dabei eher an eine Silhouette als an eine Frau. Sie verschmilzt förmlich mit dem stark präsenten roten Kreuz, das über den Frauenschatten gelegt wurde – ihre Körpermitte trifft die Mitte des Kreuzes. Ihr Hände scheinen das Kreuz halten zu wollen, sie vermitteln Schutz.

Die Komposition erinnert eher an eine Mahnung als an ein Modefoto, und doch war es der Titel der amerikanischen VOGUE und ihrer spring fashion 1945.

Das Bild spiegelt nahezu perfekt den Zeitgeist wider – das letzte Kriegsjahr, ein Frühjahr, in dem noch Kämpfe tobten. Doch neben der direkten Reaktion auf den Krieg, neben den zahlreichen Aufrufen der Werbung mit „I want you!“, war dies weit mehr als eine Spiegelung – es ging vielmehr um den Aufruf, den Verletzten als Rot-Kreuzhelferin beiseite zu stehen.

 

© The Estate of Erwin Blumenfeld (Sammlung Henry und Yorick Blumenfeld)

 

Erwin Blumenfeld war Deutsch-Jude, einige Zeit in französischen Lagern interniert und später US-Bürger. Genauso abwechslungsreich war sein Werdegang. In einem Berliner Modegeschäft absolvierte er eine Lehre, in Amsterdam eröffnete er einen Laden, in Paris begann er zu fotografieren. Er war Teil der Dada-Bewegung, kreierte Flugblatt-Motive gegen Hitler. Harper’s Bazaar nahm Blumenfeld unter Vertrag – nach seiner Flucht in die USA wurde er zum damals bestbezahlten Modefotografen der Welt.

 

© The Estate of Erwin Blumenfeld (Sammlung Henry und Yorick Blumenfeld)

Eigenwillig & einzigartig sind sicherlich treffende Attribute seiner Kunst. Sogar sein Fotoatelier in New York hat eine eigene Geschichte, die im Moment noch bis Anfang Mai im Museum Folkwang belichtet wird. Sein Geld verdiente Blumenfeld nach seiner Flucht nach New York mit Modefotografie, die den Vorgaben der jeweiligen Magazine zu entsprechen hatten. Blumenfeld befolgte die Vorgaben genauestens, ohne aber seinen Erfindungsgeist zu verlieren. Und genau dies wird zu seinem Markenzeichen und  macht ihn als Künstler berühmt. Mehrfachbelichtungen, Anschnitte, Farbfilter, Folien sind Elemente seiner Fotografien. Und so zeigt die derzeitige Ausstellung Blumenfeld Studio in Folkwang hundert Farbabzüge und großformatige Diapositive, die als Druckvorlage der einschlägigen Modemagagzine dienten.

 

Schon als Zehnjähriger hatte Blumenfeld einen Fotoapparat geschenkt bekommen, mit dem sich selbst fotografierte. Sein „Erstes Selbstporträt als Pierrot“ entstand auf diese Weise. Es zeigt ihn mit 14 Jahren, wie er geschminkt drekt in die kamera blickt und von der Seite einen Spiegel hält. Sein Gesicht ist nur im Profil zu sehen. Schon damals hatte er Spaß am Experimentieren.

Blumenfeld entwickelte alle Bilder selbst und wäre am liebsten Maler geworden. Er malte besonders in den Zwanzigern und Dreißigern Blumen, Stillleben oder Straßenszenen in Öl.

 

© The Estate of Erwin Blumenfeld (Sammlung Henry und Yorick Blumenfeld)

 

Erwin Blumenfeld war sicherlich das, was sehr selten zu finden ist: Jemand, der sich selbst treu bleibt, seine Ideen verwirklicht und sich nicht von den fotografischen Arbeiten anderer beeinflussen lässt. Über 100 Cover schuf Blumenfeld für diverse magazine, er malt sogar dafür. Berühmt ist so sein Auge-& Mundbild für die VOGUE geworden – Auge und Mund sind gemalt abgebildet, alles andere konturenlos weiß. Auch Audrey Hepburn stand vor seiner Linse und wurde von ihm im Spegel verfielfacht.

1969 starb der Meisterfotograf in Rom. Er hat das geschaffen, was viele Fotografen erst in der Zukunft angehen werden, er war ein kreativer Meister im wörtlichen Sinne!

 

 

Blumenfeld Studio – Farbe, New York 1941-1960
bis 5. Mai 2013 im Museum Folkwang, Essen
http://www.museum-folkwang.de/

 

 

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