Hannes Schmid

© Hannes Schmid

Geschichten von Marlboro, Nina Hagen und religiösen Riten – Real Stories des Fotografen Hannes Schmid

Wer kennt sie nicht noch, die legendären Marlboro-Fotografien: Cowboys, die hoch zu Pferde durch die Wüste galoppieren; Pferde, die sich am kühlen Nass erfreuen; das gleisende Sonnenlicht, dessen wärmende Strahlen man scheinbar beim bloßen Ansehen auf der eigenen Haut spüren kann. Gerade während der Neunziger Jahre waren die Mega-Plakate der Zigarettenindustrie und besonders von Marlboro überall präsent und absolut angesagt. Sie erzähl(t)en von der großen Freiheit des Wilden Westens, von kernigen Machomännern.

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Hannes Schmids Karriere fing mit den besagten Marlboro-Serien an, er inszenierte den Cowboy-Mythos bis ins kleinste Detail. Der Fotograf, Filmemacher und Maler erweckte den bekannten Marlboro-Helden zum Leben und startete so seine erfolgreiche Laufbahn als Mode- und Werbefotograf. Seine ikonischen Inszenierungen machten Schmid berühmt. Stolz ist der Künstler auf seinen amerikanischen Traum, den er so zum Leben erweckt hat.

«Der Marlboro-Man ist mittlerweile der wichtigste Mythos weltweit – vor dem Samichlaus, der Barbie-Puppe und Micky Maus. Es ist schon faszinierend, dass die Werbung so eine enorme Kraft hat.» (Hannes Schmid)

 

Interessant an seinen Kuhjungen-Kreationen ist auch, dass er den Cowboyhelden ein anderes Gesicht gab. Reduziert auf einen Gürtel oder einen Hut, erkannte trotzdem jeder das Sujet als Cowboy wieder und verband damit die große Freiheit von Marlboro.

Heute malt Schmid seine Cowboybilder in Öl, schließlich sind die großen Werbeplakate der Tabakindustrie draußen verschwunden. Nun sind sie vielmehr in den Museen Europas zu sehen.

 

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Ende der Siebziger Jahre bis Mitte der Achtziger begleitete Schmid, der in Südafrika Fotografie studiert  und die Welt, was man seinen Fotos anmerkt, vielfach bereist hat, auch über 250 Rockbands und andere Stars – der Fotograf kreierte so über 70.000 Fotos. Und er schafft es mit seinem Werken nach wie vor, die angewandte Fotografie und Kunstfotografie miteinander zu vereinen. Zudem malt Schmid auch fotorealistische Gemälde, die auf seinen Fotografien basieren.

Zu Schmids zentralen Themen gehören ‚Rituals’. Religiöse Zeremonien und Rituale sind immer wieder das Sujet seiner Arbeit. Eine rituelle Oper beispielsweise wurde von ihm in Singapur festgehalten, in Indien dokumentierte er eine Pilgerfahrt, und in Belize hielt er den Alltag der Mennoniten fest.

 

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Sein zweites großes Themenfeld sind die sogenannten ‚Visions’, das Erzählen in der inszenierten Fotografie. Modefotos zählen zu Schmids Repertoire genauso wie seine Cowboyhelden.

 

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‚Dialogs’ ist die dritte Säule von Schmids Schaffen. Dazu zählt besonders seine Porträtfotografie. Keine Berührungsängste zu haben, ist für einen Fotografen extrem wichtig. Und so werden in Schmids Bildern Geschichten erzählt, wahre Geschichten. Sicherlich ist das die Kunst eines Porträtisten, durch das Bild eine Spannung aufzubauen und gleichzeitig Nähe zu schaffen. Seine Real Stories wurden auch im Titel der derzeitigen Ausstellung in Bern aufgegriffen.

 

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Seine vierte Schaffenssäule heißt ‚Movements’ und bildet Beats, Schnelligkeit, also Konzerte und Musik ab. Schmid schafft es, mit seinen Bildern den Sound der Zeit abzubilden. AC DC, Queen, Blondie oder Mick Jagger – durch Schmids Fotografien werden die Konzerte auch im Nachhinein und nur durch das bloße Auge erlebbar. Nina Hagen als Rock Star kam für Schmid nicht in Frage, aber als Punk-Marylin!

 

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Die Geschichte seines Werkes wird noch bis 21. Juli 2013 in Bern erzählt: Die unglaublich interessante  (Werks-) Geschichte eines Geschichtenerzählers durch dessen Bilder!

 

Hannes Schmid – Real Stories
Kunstmuseum Bern
noch bis 21. Juli 2013

 

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