Man Ray

© Man Ray

Gläserne Tränen und Violinenfrauen- Man Ray und seine Porträts

© Man Ray

Seine gläsernen Tränen, die „Keinerlei Gefühl“ zeigen oder die Violinenfrau, die eigentlich seine Geliebte Kiki de Montparnasse zeigt, deren Rücken mit zwei Violinenöffnungen versehen wurde und als „Le violon d’Ingres“ in die Fotografiegeschichte einging, sind sicher seine berühmtesten fotografischen Werke.

Der umstrittene Meister surrealistischer Verfremdung und Anhänger des Dadaismus war der Darling der Pariser Kunstszene der 20iger und 30iger Jahre: Man Ray.

Der Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, dessen Geburtsname Emmanuel Rudnitzky war, wurde aber durch seine herausstechenden  Porträts der Pariser Avantgarde berühmt. Man Rays fotografische Handschrift kreierte ein wahres Who is Who der Künstlerszene, die dadurch scheinbar eine Elite bildete, der nur Auserwählte angehörten. Alle rissen sich darum, von dem Meister er Fotoporträts abgelichtet zu werden. Es schafften unter anderem Picasso, sein langjähriger Freund Marcel Duchamp oder Max Ernst.

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Die Reichen und Schönen drängten sich darum und feierten sogar den Ausschuss seiner Arbeit als große Kunst. Bekannterweise wurde das wirklich entstellte Foto der Marquise Casati, das völlig verwackelt und unscharf drei Paar Augen abbildet, als Porträt ihrer Seele hochgehalten. Und gerade dieser Schandfleck verhalf Man Ray zu seinem legendären Erfolg als Porträtist der feinen Gesellschaft – Ironie des Lebens pur.

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Man Ray folgte Zeit seines Lebens und Schaffens zwei Motivationen, der Freiheit und der Freude. Als dritten Grund wäre sicherlich die Frauenwelt festzumachen – er war ein Lebemann, der sich gern mit Lebefrauen umgab. In den Zwanzigern war sein Lieblingsmotiv die Frau mit den gläsernen Tränen, Kiki de Montparnasse. Die laszive Nachtclubsängerin war ein begehrtes Malermodell, was auch durch die Symmetrie ihres Gesichts und ihr heller Teint wurden von Man Ray jahrelang in Szene gesetzt. Seine Aktfotografien galten in den Zwanzigern als kühn – er war ein großer Erotiker. Nachdem ihn Kiki  verlassen hatte, wurde sie von Lee Miller „ersetzt“, die drei Jahre Assistentin und Geliebte des Künstlers war und von ihm die Fotografie erlernte.

Man Ray war Autodidakt, und bemerkenswerterweise wurde sein fotografisches Werk viel höher eingeordnet als sein malerisches. Einerseits war dies sein größter Kummer, wollte er sich doch immer der Malerei widmen. Andererseits verhalf er der Fotografie zu einem Imagewandel, der Fotografie als Kunst. Er experimentierte mit Sandwichmontage, Doppelbelichtung und Fotocollagen. Und er kreierte Fotos ohne zu fotografieren. Nebenbei war er beliebter Modefotograf der Vogue und der Vanity Fair. Er lebte in New York und Paris, wo er 1976 starb. ‚Unbekümmert, aber nicht gleichgültig’ ist die Innschrift seines Grabsteins – wunderbar treffend.

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Die Porträts der Großen und ganz Großen, die ihn als Künstler so berühmt und beliebt gemacht haben, werden übrigens ab heute am Trafalgar Square in der National Portrait Gallery ausgestellt.

 

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Die Man Ray Porträts werden dort bis Ende April gezeigt.

London scheint derzeit wohl der absolute place to go zu sein. Ausstellungen aller Art sammeln sich in der Metropole, die unser kunstbegeistertes Herz höher schlagen lassen. Und nun Man Ray, let`s book the flights!

 

 

 

 

Man Ray Portraits
National Portrait Gallery
http://www.npg.org.uk

bis Ende April 2013

 

 

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