Slinkachu via slate.com

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Große Kunst auf der Straße: Mini Street Art

Die kleinen Gesten zählen meist mehr als viele große Worte. Selbst in der Straßenkunst sind die Mini-Ausgaben auf dem Vormarsch, genau wie im Food- & Food Photography Bereich. Deshalb sollte man dieser Tage genau den Blick in die Umgebung, auf den Boden und in diverse Ecken, selbst in ausgelaufene Milch oder ins Take Away – Essen des Nachbarn richten, damit uns die Miniaturen der Kunst nicht entgehen. Oder aber man sieht sich die brillant inszenierten Fotografien davon an – ganz wie es beliebt.

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Die Mini Street Art ist viel subtiler und einfühlsamer als die große Kunst eines Banksy es sein könnte. Ganz klein, leise und mit viel Gefühl setzt die Kleinausgabe des großen Ganzen ihre Aussagen und Botschaften in Szene. Zwei der Mini Art – Künstler sind Slinkachu und Cordal, beide in London lebend, beide in ihren Dreißigern und beide fasziniert von den kleinen Gesten, die so manch Großes bewirken können. Seit sieben Jahren installieren die beiden Künstler ihre Skulpturen unabhängig voneinander in den großen Städten der Welt.

 

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Sie kreieren alltägliche Szenerien mit den Figuren der Modelleisenbahn und fotografieren diese dann beim Sightseeing, beim Camping, beim Einkaufen genauso wie beim Ausflüge machen oder beim Streiten, Kämpfen und Sterben. Die winzigen Miniaturen in der Nahaufnahme geben uns das Gefühl, Teil der Situation zu sein, die Aufnahmen weiter weg machen uns zum stillen Beobachter. Und alle beide lassen uns uns selbst oder Freunde, Nachbarn, ganz einfach das Mädchen von nebenan wiedererkennen.

 

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Höchstens vier bis fünf Zentimeter sind die Street Art Skulpturen groß, die Slinkachu und Cordal erschaffen. Meist sind sie schon kurz nach ihrer Entstehung dem Untergang geweiht, wenn der Mülleimer ruft, ein realer Menschenfuß unachtsam des Weges kommt oder die Reinigungsfirma den vermeintlichen Müll aus dem Weg räumt. Doch das macht den Künstlern nichts, sehen sie doch die Fotografie als wichtigen Teil ihrer Arbeit. Sie macht die Kunst haltbar und zugänglich für jedermann, so wie Street Art, ganz egal ob mini oder maxi, es sein sollte. Und mit dem Foto berichten sie über ein bestimmtes Drama. Mini Street Art erzählt Geschichten mit ihren klitzekleinen Figuren und vollbringt das Wunder der Empathie, was oft an der Maxi Street Art vorbeigeht: Wir fühlen mit den kleinen Figurinen.

 

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Slinkachu beispielsweise liebt die Themen der Einsamkeit, Anonymität. Das Gefühl, übersehen zu werden, sich klein zu fühlen, ist eines einer beliebtesten Sujets, mit denen er sich auseinander setzt. Cordals Werk wurde auch schon in seinem Buch Cement Eclipses festgehalten, während Slinkachu verschiedene Ausstellungen inszeniert hat. Sein neuestes Buch erschien kürzlich. (Mini) Street Art goes „real“ art! Und neben der Brillanz der Szenerien sind die Mini Skulpturen absolut gekonnt gearbeitet und teilweise wirklich witzig, eben gerade weil man sich oder anderes Bekanntes wiedererkennt und die Botschaft so klammheimlich, still und leise vermittelt wird. Ein geniales Projekt!

 

Ähnlich ist auch Christopher Boffolis `Big Appetites’ angelegt, in dem er mit Essen und Fotografie spielt. Ebenso wie in der Mini Street Art erschafft Boffoli Miniaturen-Skulpturen, die in eine Landschaft voller Essen platziert sind. Er spielt mit unserer Wahrnehmung, lässt das Essen größer als es eigentlich ist, erscheinen und beschäftigt sich mit dem Konsumverhalten der Leute oder der Größe von Portionen.

© Christopher Boffoli

 

© Christopher Boffoli

Aus seinen Food Kreationen fertigt er seine Fine Art Fotografie, denn wie er auf seiner Website sagt – jeder kann sich mit Spielzeug aus seiner Kindheit identifizieren und fühlt sich dadurch angesprochen. Die Sprache, die man spricht, werde unwichtig – was zählt ist das Bild, die Botschaft versteht jeder. Sicherlich ähnelt seine Arbeit der eines Food Fotografen – er setzt Gerichte in Szene, aber eben mit dem Biss, der dazugehört. Oft sind an seine Aufnahmen auch noch Bildunterschriften geheftet, die ein Überraschungselement mitliefern.

Unter seinen French Frys steht beispielsweise: It was the precise moment that Larry knew those advanced judo lessons would pay off.“

Boffolis Bilder sind durchaus mehr in den Fine Arts anzusiedeln, erzeugt er eher Hochglanzsituationen. Allerdings ist der Grundgedanke der Mini Street Art und seiner Mini Fine Art der gleiche: Die menschlichen Emotionen zu bewegen.

 

 

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