kerry skarbakka via lenscratch.com

© kerry skarbakka via lenscratch.com

Kerry Skarbakka – Stürze des Lebens

© Kerry Skarbakka

So ist das Leben – man fällt, rappelt sich wieder auf und geht weiter. Ein dauerndes Auf und Ab.

Jeder kennt solche Hoch und Tiefs, mal gelingt alles, mal straucheln wir. Doch neben diesen Lebensstürzen gibt es auch die körperlich fies-schmerzenden Ausrutscher, etwa in der Dusche, auf der Treppe oder über den Bordstein.

Wir landen unsanft auf den harten Steinen und ziehen (im Idealfall) mit blauen Flecken davon. Doch immer geschieht ein solcher Sturz unfreiwillig, zufällig, aus Versehen. Fast immer.

Der Fotograf Kerry Skarbakka beschäftigt sich mit dem menschlichen Dasein als Prozess des ewigen Fallens, so wie es schon Heidegger beschrieb.

 

 

© Kerry Skarbakka

Skarbakka inszeniert spektakuläre Stürze, die er selbst begeht und auf Foto festhalten lässt. Das, was so halsbrecherisch auf seinen Fotos aussieht und an Filmszenen oder an grausame Unfälle erinnert, arrangiert der Amerikaner seit über zehn Jahren in seiner Fotoserie The Struggle to Right Oneself und löst bei uns, dem Betrachter, mit jedem Bild und jedem Betrachten eine reale Schrecksekunde aus.

Seine halsbrecherischen Stunts spielen mit den Urängsten des Menschen, mit dessen Angst, Unsicherheit und Verzweiflung. Letztlich ist es eine Frage, die den Fotografen antreibt: Was machen unsere Sorgen mit uns, wie weit gehen wir dafür oder dagegen?

 

 

 

© Kerry Skarbakka

Das was nach Selbstmord aussieht, ist allerdings (Gott sei Dank!) keiner. Skarbakka hält seine Inszenierung sehr offen und steht zu Retusche & Co. Auf den Kamikaze-Bildern wird er von Seilen, Netzen, Polsterungen gehalten oder aufgefangen, die später wegretuschiert werden. Wahrscheinlich macht dies auch die Kunst des Ganzen aus, eben nicht sich selbst für die Kunst in Gefahr zu bringen aber sehr wohl den Anschein zu erwecken. Er baut die Sets dafür meist selbst – sein Lieblingsbild ist „Window“, in dem er aus und durch ein geschlossenes Fenster fällt. Man kann das Klirren und die Wucht des Ganzen förmlich spüren. Bei seinem ersten Versuch sei der Stunt nicht geglückt. Gott sei Dank, kann man nur wiederholen, hat doch sein Nachbar, ein Handwerker, ihm danach entscheidende Tipps für seine Sicherheit gegeben. Sonst wäre jetzt sicher nicht nur die Serie beendet, sondern auch sein Leben.

 

© Kerry Skarbakka

Bei aller Bewunderung  und dem Medieninteresse, das ihn in Talkshows gebracht hat, hagelt es auch Kritik. Besonders für sein Bild, auf dem er sich scheinbar von einem Hochhaus stürzt. Viele Amerikaner haben dies geschmacklos gefunden, wollten sich so Tausende Menschen zum 9/11 aus den brennenden Twin Towers retten.

 

© Kerry Skarbakka

Auch Skarbakka hat die weltweite Finanzkrise erwischt. Lange Zeit konnte er keine Ausstellung bewerkstelligen, auch von seinen Verkäufen konnte der Fotograf nicht leben und nahm einen anderen Job an. Doch trotzdem macht er weiter, denn Kunst sei genau das für ihn, immer weiter zu machen und den Anschluss zu behalten.

Durch seine Kunst kann er sich, im wahrsten Sinne des Wortes, fallen lassen. Im Mai wird die Durststrecke pausieren, eine Ausstellung in L.A. steht auf dem Plan, auch ein Bildband soll erscheinen. Viral ebbt der Erfolg seit Jahren nicht ab, letztlich seitdem er 2002 mit seiner Fall-Serie begonnen hat, nicht. Und genau das wird es sein, was Skarbakka antreibt, genau jene Million kleiner Ausstellungen.

 

 

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