Lillian Bassman

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Lillian Bassman & Paul Himmel – eine Künstlerliebe zwischen Jazz & Punk

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Die gesamte Kunstgeschichte ist durchzogen von Künstlerlieben und deren Tragik. Die anfängliche Faszination und Verehrung gefolgt von einer tiefen Leidenschaft für die Kunst und für einander aber wich meist im Laufe der Zeit. Was von solch großen Lieben übrig blieb, war meist ihre Tragik, so wie bei Frida Kahlo und Diego Riviera, Camille Claudel und Auguste Rodin oder Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely. Selbst die Liebesgeschichte zwischen Clara und Robert Schumann ist mit einer tiefen Tragik verbunden, geschuldet auch durch die Krankheit Robert Schumanns. Die Vermutung liegt nahe, dass aber auch eben aus jener Dramatik heraus die emotionsvollsten Kunstwerke sei es in der Musik oder in den Bildenden Künsten entstanden. Was aber selten geschah (oder wovon man nur selten hört) sind Künstler-Liebespaare, deren Verbindung glücklich anhält und von Dauer ist. Umso mehr fasziniert es, wenn ein solches Paar samt seiner Kunst, so unterschiedlich oder gleich sie auch sein mag, bekannt wird. Umso genauer schaut man hin.

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Lillian Bassman und Paul Himmel waren ein solch besonderes Liebespaar, die sich inspirierten, von einander lernten und sich auf Augenhöhe begegneten. Ihre Fotokunst war unterschiedlicher sie nicht sein konnte. Ihre Sujets, ihre Bildsprache, ihre Schreibweise ergänzte sich durch ihre Verschiedenheit. Und doch oder gerade deswegen fand das Paar seine Balance, die sich auch in seiner Fotokunst spiegelt. Umso mehr verwundert es, dass Paul Himmel 1969 viele Negative einfach in den Müllsack warf und dort verweilen ließ, bis sie zufällig Anfang der 90iger Jahre gefunden wurden. Die erste Retrospektive in Hamburg folgte, #2 in Leipzig schließt sich gerade und noch bis 3. März 2013 an.

© Paul Himmel

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78 Jahre lang waren die beiden Amerikaner ein Paar. Beide als Kinder von Emigranten hatten russische beziehungsweise ukrainische Wurzeln, beide kannten sich seit Kindheitstagen. Lillian war zarte 15, Paul drei Jahre älter, als sie sich verliebten. Nur drei Jahre später heirateten sie, nachdem sie aber längst in einer gemeinsamen Wohnung lebten. Unkonventionell.

Zuerst arbeiteten sie in klassischen Berufen – er als Lehrer, sie als Textildesignerin. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten sie zur New Yorker Kunstszene. Bassman spezialisierte sich auf Modeaufnahmen, mit denen sie experimentierte und mit denen sie ihren malerischen Stil entwickelte. Der Begriff der Lichtzeichnungen ist sicherlich eine treffende Beschreibung ihrer Arbeiten.

© Paul Himmel

Auch ihr Mann begann zu fotografieren, für ihn stand immer im Zentrum die Bewegung. Und Himmel schaffte es, diese auf dem Moment-einfrierenden Foto sichtbar zu machen, indem er mit Belichtung und Schärfe spielte. Ihn interessierte vor allem das Innere des Menschen, was sich in seinen Fotografien widerspiegeln sollte.

Für ihn waren der Ort und die Visualisierung von Zeit ausschlaggebend – für sie zählten Form und Formen. Dies erklärt sicher auch ihr großartiges Können der Verfremdung. Bassmans Lieblingsbild war the Diver – erst beim genaueren Hinsehen wird das Dargestellte wirklich sichtbar. Und der Betrachter versinkt, genau wie ein Taucher, im Wasser des Bildes. Wunderbar poetisch.

© Lillian Bassman

Lillian Bassman veränderte mit ihren Aufnahmen die Modefotografie. Sie lenkte den Blick auf Mode und auf Frauen in eine ganz neue Richtung. Als Chefredakteurin des Magagzins Harper`s Bazaar machste sie die Zeitschrift zu einer der erfolgreichsten der Welt. In den Neunzigern entdeckten junge Art-Direktoren ihre Arbeiten wieder und beauftragten Bassman erneut.

Das Künstlerpaar revolutionierte die Fotografie. Sie kreierten vielleicht nicht das, was heute als Punk gelten würde, aber sie stellten die Weichen für den Jazz der Fotografie, wie es Deichtorhallendirektor Dirk Luckow vor einiger Zeit so treffend formulierte. Klassisch, aber innovativ, Lebensgefühl und Handwerk. Himmel starb 2009 kurz vor der Ausstellungseröffnung in Hamburg, Bassman im Februar dieses Jahres. Ihre Revolution aber geht weiter.

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Noch bis 3. März im Grassi Leipzig!

 

Claudia Böttcher gefällt dieser Artikel

3 Gedanken zu “Lillian Bassman & Paul Himmel – eine Künstlerliebe zwischen Jazz & Punk

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