Pieter Hugo

© Pieter Hugo

Permanent Error – Der Überfluss des Überflusses

© Pieter Hugo

Vor oder nach der Apokalypse? Richtig einschätzen kann man die Szenen nicht, die sich in der Fotoserie von Pieter Hugo  abspielen. Realer Horror ist die einzige Umschreibung, die DailyArtDesign hierzu einfällt, da Hugos Bilder deutlich zeigen, wie auf einer riesigen Müllhalde kurz vor Ghanas Hauptstadt Elektromüll von Jugendlichen und Kindern ausgeschlachtet und verbrannt wird. Der Elektroschrott der westlichen Welt landet genau dort und bleibt zum größten Teil als Giftmüll zurück. Nur ein Viertel des Kommunikationsmülls  wird ordnungsgemäß in den Herkunftsstaaten entsorgt, der Rest als Second Hand Ware in Entwicklungsländer verschifft. Einiges davon wird noch als Marktware in Ghana angeboten, der Hauptteil landet aber auf der größten Müllhalde, die das menschliche Auge einfangen kann. Hier verdienen sich Kinder und Jugendliche als Tagelöhner ihren Lebensunterhalt. Sie zertrümmern Computer, Mobiltelefone und Monitore, verbrennen den Plastikanteil, um an die Metalle zu kommen. Dabei entstehen Unmengen von Giftmüll und Gasen, denen auf Dauer niemand lange ausgesetzt sein kann.

 

Nichtsdestotrotz kann man den Prozess dort als 100% Recycling festhalten, ein Paradox schlechthin. Alles wird wiederverwertet, alles von der „Kloake der westlichen Welt“, wie es der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo bezeichnet.  Ihm geht es bei seiner Fotoserie Permanent Error aber nicht darum, die Tragödien Afrikas zu zeigen, sondern unseren blinden Konsum, den Überfluss des Überflusses zu demonstrieren. Die Besessenheit der westlichen Welt, immer wieder neue Computer, oder Mobiltelefone besitzen zu müssen und den permanenten technologischen Fortschritt zu proklamieren.

 

„All diese Container voll mit gespeicherten Erinnerungen und Ideen, die dort in ihre ursprünglichen Rohstoffe zerlegt werden. Das erzählt mehr über uns als über Ghana.“

 

© Pieter Hugo

Hugos „Impressionen“ sind genauso furchtbar wie auf erschreckende Weise idyllisch. Auf seinen Fotografien grasen Kühe inmitten von Schutt und Asche, dort wo einst Gras war. Und die realen Protagonisten auf den Bildern erwidern unseren Blick als Betrachter, sie schauen direkt in die Kamera, furchtlos, fast Stolz. Ihre Würde ist eben trotz allem unantastbar. Hugo sieht sich als Aktivisten, der den Betrachter schlicht und ergreifend zum Nachdenken bringen will, darüber wie er sein Leben führt, ob denn die neueste Technologie wirklich sein muss oder es der zwei Jahre alte Computer doch noch ein weiteres Jahr tut. Hugo möchte mit seiner Fotografie den Überfluss des Überflusses stoppen, dazu anhalten, weniger verschwenderisch zu sein.

 

„Ja, der Mensch kann sich ändern. Zum Guten und zum Schlechten. Das hängt allein von ihm ab.“

 

© Pieter Hugo

Hugos fotografischer Weg führt ihn weg von der klassischen Reportage des Fotojournalisten hin zu Mittel- und Großbildkameras immer mit dem Ziel, Fragen aufzuwerfen. Er inszeniert Porträts schwarzer Richter in der traditionellen britischen Amtstracht und stellt die Frage in den Raum, wie lange es noch dauern kann, bis auch Schwarze solche Insignien der Macht tragen. Er erstellt monumentale Passbilder von Blinden, Alten, Albinos – von Außenseitern, in denen er auch ein Selbstbildnis positioniert. Als weißer Südafrikaner ist er im eigenen Land oft Außenseiter. Zudem ist er fast zwei Meter groß und damit weniger Beobachter als Teil des Geschehens.

 

Und immer wieder entstehen Bilder, die man nicht vergisst.

 

Pieter Hugo: This Must Be the Place – Selected Works 2002 – 2011

Noch bis zum 20.Mai 2012 in Den Haag

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