maurice handler via posterlounge.de

© maurice handler via posterlounge.de

Picture Perfect – das Geheimnis der (guten) Fotografie

Nach Barack Obamas Wiederwahl ging ein Bild um die Welt – der neue alte Präsident der Vereinigten Staaten eng umschlungen mit seiner Frau Michelle, Freude im Gesicht, vielleicht sogar die tiefe Verbundenheit zu ihr. Nur beim Anblick des einen Fotos wurde schlagartig klar, dass Obama es wieder geschafft hat. Bilder sagen oft mehr als tausend Worte. Und irgendwie glaubten wir zu spüren, wie dankbar und froh er war, nur durch die Kraft des einen Bildes.

© Barack Obama via twitter.com

 

Selbstverständlich ist die Verbreitung von Fotografien heute kein Problem mehr, in einem Bruchteil einer Sekunde werden Fotos von politischen Ereignissen, von Freud und Leid aus aller Welt getwittert. Instagram und Pinterest sind wahre fotografische Bazare. Noch bevor der Journalist oder die Nachrichtenagentur einen Satz der Erklärung verfasst und gepostet hat, geht das Foto schon um die Welt. Was muss es aber haben, um so verständlich zu sein, um eine ganze Geschichte in einem Augenblick transportieren zu können?

© Michael Breitung via posterlounge.de

 

Sicherlich gehört immer ein Kontext dazu. Obamas Foto hätte wohl niemand als Siegesbild verstanden, wenn nicht klar gewesen wäre, dass ein unmittelbarer Wahlkampf gerade zu Ende gegangen war. Manchmal bedarf es nicht einmal das – manche Bilder erzählen eine ganze Geschichte, ohne dass man von vornherein weiß, wo sie aufgenommen wurden. Weinende Kinder in den Slums – oft muss man nicht mehr wissen, um betroffen zu sein. Oder man blickt auf eine scheinbar simple Landschaft und ist plötzlich überwältigt von deren Schönheit, deren Licht oder dem auf sie prasselnden Regen, dessen rauschen man zu hören scheint. Das gewisse Etwas ist es, das uns in den Bann eines Fotos zieht. Sicherlich legt dabei jeder auf etwas anderes wert, aber worauf eigentlich? Was macht ein Foto besonders? Wann wird ein Schnappschuss zu einem Foto?

© Britta Ölschläger via posterlounge.de

Uns umgibt eine Riesenwolke an Bildern, immer mehr Fotos streift unser Auge am Tag. An keinem bleiben wir wirklich hängen, zu groß ist die Bilderflut der Medien. Und auch im Freundeskreis sind wir umgeben von einer massiven Bilderwelle; Urlaubsfotos, Landschaftsfotografien, der dokumentarische Spiegel unseres Nachwuchses sind nur einige Beispiele davon. Selbst Ultraschallbilder werden über Facebook ausgewertet. Neben der Frage, was privat ist und bleiben sollte, beschäftigt uns aber doch eines: Was macht aus einem Foto ein Foto, das seinen Namen verdient und vielleicht sogar in den Bereich der Fotokunst fällt? Schließlich kann sich jeder heute als Fotograf betätigen – knipsen und fertig. Oder?

© Florian unde via posterlounge.de

Exklusive Aufnahmen sind rar geworden, jedes Tor der Lieblingsmannschaft wird tausendfach mit dem Handy, dem kleinen digitalen Fotoapparat oder der guten Spiegelreflexkamera festgehalten. Ein einziger Moment wird so ganz einfach vervielfältigt. Trotzdem sieht sicher jeder den einen Moment anders als der andere, achtet auf andere Details, empfindet den einen Moment anders. Vielleicht liegt darin auch das Geheimnis des picture perfect – Moments: im Transport der eigenen Emotion. Der Wunsch nach einem Unikat steht aber durch die Masse von Bildern wieder im Vordergrund. Vielleicht ist auch damit der Run auf die guten alten Polaroids zu erklären, die einfach eine Sekunde festhalten, so wie sie war und das eine Bild auf Papier ausspucken. Unveränderbar, nicht kopierbar. Und eben so besonders.

© novopics via posterlounge.de

 

Aber wann wird eine Fotografie nicht nur besonders sondern (auch) Kunst? Seit Urzeiten zerbrechen sich die Fotografen dieser Welt die Köpfe darüber, streiten sich und diskutieren über Komposition, Licht, Technik und Handwerk. Sicherlich gehört dies alles zu dem einen perfekten Moment und eben zu dem einen perfekten Foto. Und sicherlich bleibt nur genauso auch die Fotografie als Kunstform lebendig. Worin aber das Geheimnis eines guten Fotos liegt, weiß keiner.

© april maciborka via posterlounge.de

 

DailyArtDesign kann sicher das Geheimnis auch nicht lüften, allerdings sind wir uns sicher, dass das gewisse Etwas eines guten Bildes eben den einen einzigartigen Moment einfängt und so eine Geschichte ganz ohne Worte erzählt. Das ideale Bild vereint Spannung und Kontraste, Licht und Farben und erweckt sogar einen stupiden Kuli auf dem Tisch zu neuem Leben. Und ganz von allem fotografischen Wissen oder Halbwissen abgesehen: Es berührt.

© Klaus Morgenstern via posterlounge.de

 

Prinz Saint gefällt dieser Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *