Günter Rössler via freundederkuenste.de

© Günter Rössler via freundederkuenste.de

Zarte Augenblicke – die Aktfotografie Günter Rösslers

 

Er schuf Andachtsbilder, wahre Heiligenbilder der Frau und zeigte sie im selben Atemzug als natürliches Wesen mit diversen Makeln. Seine Foto sprühten vor Liebe und Zärtlichkeit für die Frau – Günter Rössler war der Pionier der Aktfotografie der DDR. Seine Aufnahmen waren berühmt bis in den „Westen“ hinein. Am Montag wäre er 87 Jahre alt geworden – DailyArtDesign hatte einen Geburtstagsbeitrag in Planung. Doch gestern wurde Rösslers Tod bekannt, am Silvestertag ist er unerwartet gestorben.

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Der Anlass ist sicherlich traurig, dennoch wollen wir einen Blick auf Rösslers ‚Genialität des Augenblicks` werfen. Denn das war es, was er meisterhaft verstand – geniale Augenblicke zu erschaffen und fotografisch festzuhalten. Rössler war wohl der größte Fotograf der DDR, lichtete Mode für die Sibylle und in Modische Maschen ab und war der wohl einzige Aktfotograf, der regelmäßig im Magazin Aktfotografien veröffentlichte. Und seine Aktaufnahmen waren keine Playboyspielereien oder gar ordinär gestellte Pornographie, sie waren weit davon entfernt. Rössler produzierte seit seinem Durchbruch 1979 im sächsischen Grimma Kunst. Er fing die Natürlichkeit der Frau ein, ihre versonnene Seite, die das frauliche Selbstbewusstsein nicht ausschloss. Die zarte Schwarz-Weiß-Ästhetik, die er selbst nach der Wende immernoch ausschließlich mit seiner analogen Kamera einfing, war ein treuer Begleiter und wohl so etwas wie Rösslers Markenzeichen.

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Viele Frauen erkannten sich in Rösslers Bildern wieder, sie hatten keine Scheu, die Aktbilder anzuschauen. Vielleicht war das auch das Besondere an ihnen – Bilder von Frauen für Frauen. Rössler verehrte weibliche Schönheit bedingungslos.

Für ihn strahlte ein gutes Aktfoto Natürlichkeit aus, die Posen auf seinen Bildern waren voller Emotion, die Stimmung der Bilder verbreitete stets eine Aussage. Er arbeitete nicht mit professionellen Modells, die es schlicht und ergreifend in der DDR gar nicht gab.

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Es waren immer Mädchen von nebenan, die er entdeckte und für die Rössler selbst zum Sprungbrett in eine Modekarriere wurde. Im Haushaltwarenladen, im Konsum, auf der Straße Rössler sprach die Frauen an, fotografierte sie als Porträts oder machte Modeaufnahmen mit ihnen, was meist der Beginn seiner Arbeit mit einem Modell war, die Aktfotografie ergab sich dann aus dem Vertrauensverhältnis der beiden.

Rössler wird oft als der Helmut Newton des Ostens gehandelt, was ihm nie gefiel.

Bei Newton dominiert die Pose, bei mir geht es um höchstmögliche Authentizität der Mädchen.

Seiner Mädchen, wie er sie liebevoll nannte.
Rössler fing ihn ein, den einen Augenblick, in dem alles stimmte: Pose, Licht, Ausdruck und kreierte so eine berührbares Foto. Zart, leicht und trotzdem mit Tiefe. Genau das, was Fotokunst ausmacht.

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1926 geboren, machte Rössler zunächst eine Fotografenlehre, um anschließend an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst zu studieren. In den 50igern begann er, als freischaffender Fotograf tätig zu sein.
Rössler fotografierte sein Leben lang, selbst seine neunjährige Tochter Filia hat das übernommen. Nur mit einem Unterschied: Sie fotografiert digital.

 

Requiescat in pace.

 

 

 

 

 Die Genialität des Augenblicks:

 

 

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