Josef & Anni Albers Foundation

© Josef & Anni Albers Foundation

Der heilige Modernist – Josef Albers, Quadrate und religiöse Bedeutungen

Der Deutsch-Amerikaner Josef Albers, bekannt für seine abstrakte Malerei, wird derzeit als religiöser Maler in einer bemerkenswerten Ausstellung in Irland gefeiert, in der der religiösen Bedeutung nachgegangen wird, die sich womöglich zwischen seinen berühmten Vierecken verbirgt. Der Titel der Ausstellung „The Sacred Modernist“ lässt schon auf jenen religiösen Ansatz blicken. Mehr noch, er spricht die Ambition aus, das Sinnbild des abstrakten Malers, für das Albers steht, in den religiösen Künstler umzuformen. So enthält die Schau Albers früheste Werke, wie eine Tintenzeichnung von 1911 bis hin zu seiner letzten Hommage an seine Quadrate kurz vor seinem Tod 1976.

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Albers, am besten bekannt für seine monumentale Hommage an das Quadrat, beeinflusste genau damit massiv die Entwicklung der abstrakten Kunst der USA ab den 1950er Jahren. Damit ging er der Frage nach, wie nebeneinanderliegende Farben nie still zu stehen scheinen. Vielmehr interagieren sie unaufhörlich miteinander und erzeugen komplexe optische Effekte aus den simpelsten Formen heraus.

Den optischen Effekt seiner Bilder kann man als Betrachter sicher einfach nachvollziehen, aber die religiöse Bedeutung erschließt sich wahrlich nicht auf den ersten Blick und bleibt zweifelhaft. Der mit Albers befreundete Autor Fox Weber vermutet, dass Josef Albers der Interaktion der Farben eine spirituelle Bedeutung beimaß. Noch viel interessanter aber ist seine Theorie, die auf die Anordnung des Neuen Jerusalems in der Bibel (Buch der Offenbarung des Johannes) anspielt, basierend auf Quadraten in Quadraten, in proportionalen Mustern, die das Design von vielen großen Kathedralen Europas beeinflusst haben.

© Grassi Leipzig

Sein erster künstlerischer Auftrag war es, ein Kirchenfenster für die Kirche in Bottrop zu entwerfen. Das Fenster namens Rosa Mystica Ora Pr[o] Nobis (Mystische Rose bete für uns) wurde während des Zweiten Weltkrieges zerstört und später nachgebildet. Zu bestaunen ist es nun in der jetzigen Ausstellung. Es soll danach in die Kirche in Bottrop reinstalliert werden. Auch die Fenster des Grassi-Museums in Leipzig entstanden seiner Feder.

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1920 schreibt Albers sich in der Bauhaus Schule ein, die als die Designschule überhaupt gilt, und nur wenige Jahre später unterrichtetet er selbst dort. Anfang der Zwanziger Jahre lernt er dort seine zukünftige Frau kennen, die er 1925 heiratet. Anneliese (Anni) Albers wurde die bemerkenswerteste Textildesignerin des 20. Jahrhunderts.

Verbindungen zwischen Abstraktion und Mystizismus haben einen lange Tradition bei Albers, die beispielsweise auf Wassily Kandinsky’s spirituelle Schrift von1910 zurückgeht. Albers hatte keine hohe Meinung zu vielen seiner zeitgenössoischen Kollegen, wohl aber zu Kandinsky, den er respektierte und mit dem er korrespondierte.

Als die Bauhausschule Anfang der Dreißger Jahre geschlossen wurde, emigrierte das Ehepaar Albers in die USA, wo Albers begann, bei der Yale Art School zu unterrichten.Bis zu seinem Tod etablierte er sich als als eine der Hauptfiguren in Kunst und Design des Jahrhunderts.

 

Josef Albers als Katholischer Künstler „The Sacred Modernist“ in der Lewis Glucksman Gallery, UCC, Irland. Noch bis 8. Juli 2012!

 

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