Haddon Sundblom - Coca Cola via brandingmagazine.com

© Haddon Sundblom - Coca Cola via brandingmagazine.com

Der Weihnachtsmann und sein Dresscode

Derzeit ist er in aller Munde – der Weihnachtsmann. Ob in der Werbung, im Schaufenster, Kinderbüchern, als Dekoration – der Weihnachtsmann begleitet uns gerade ständig. Besonders für Kinder ist er wohl der wichtigste „Held“ in Geschichten und Legenden um ihn, schließlich fiebern sie dem großen Tag entgegen – Heiligabend. Und jedes Jahr scheint nur die Erinnerung an den allsehenden und allwissenden Weihnachtsmann zu funktionieren – schon werden die Rabauken zu scheinbar frommen Lämmchen. Ich wusste früher beispielsweise auch, dass der Weihnachtsmann drei Bücher hat – ein rotes  für die guten Kinder, ein blaues für die frechen und ein schwarzes – selbstredend.

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Das Kuriose am Weihnachtsmann ist sicher, dass er in aller Herren Länder gleich aussieht. Überall scheint das Bild vom gemütlichen, dickleibigen Mann mit dem weißen Bart, dem roten Anzug und dem gütigen Lächeln und den lebendigen Lachfalten allgegenwärtig. Seltsamerweise sah der Ursprung des alten Mannes im roten Mantel doch ganz anders aus. 1862 zeichnete ein Cartoonist namens Thomas Nast den Weihnachtsmann in der Zeitschrift Harpers Weekly zunächst in Schwarz Weiß. Nasts Vorstellung vom Weihnachtsmann ging auf den „Belzenickel“ zurück, eine regionale, Pelz tragende Weihnachtsmannfigur aus dem 19. Jahrhundert, die er noch aus Kindheitstagen kannte. Später wurde er aufgefordert, seine Illustration zu kolorieren, wofür er die typischen Weihnachtsfarben wählte: Rot & Weiß. Seit den 20iger Jahren gab es dann einen vereinheitlichten Santa Claus in den Staaten.
So schrieb die New York Times 1927:

 

Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kinder. Größe, Gewicht, Stärke sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.

 

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Letztlich war dies der Anfang des roten Weihnachtsmannes, was sich Coca Cola später zu eigen machte. Schon in den 20iger wurden die ersten Werbeanzeigen veröffentlicht- ein streng aussehender Weihnachtsmann war zu sehen. Allerdings wuchs der Anspruch, nicht mehr nur einen Mann in roter Montur abbilden zu wollen – ein ganzheitlicher Weihnachtsmann musste her, ein personifizierter. Dafür wurde seit den 20igern Haddon Sundblom engagiert. Der Illustrator kreierte das westliche Weihnachtsmannbild schlechthin. Jedes Jahr bis  zu seinem Tod 1976 veröffentlichte er zahlreiche Illustrationen mit Santa Claus & Coca Cola und wurde zum Vater des modernen Weihnachtsmannes.

Sundblom, der von seinen Freunden Sunny genannt wurde, wurde 1899 in Michigan geboren, startete seine Karriere als Office Boy in den Charles Everett Johnson Studios und wechselte schnell zum Gebiet der Illustration. Nach nur fünf Jahren gründete er mit Freunden seine eigene Agentur und hatte Kunden, wie  Palmolive, Maxwell House und Goodyear Tires.

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Der Illustrator kreierte den Sprite Boy, das Yes Girl  und diverse Helden der Werbeindustrie. Interessant dabei ist, dass er es tatsächlich schaffte, nicht nur das Aussehen des Weihnachtsmannes festzulegen, sondern  ihm ganz lebendige Züge zu verleihen. Seine Vorlage war ein Freund, nach dessen Tod er sich selbst in Mimik und Gestik wiedergab. Seine fröhlichen Falten, der Glanz in den Augen- das ist es, was Weihnachten so weihnachtlich macht. Und die Leute beobachteten haargenau die Veränderungen an Santa. Sofort gingen Emails an Coca Cola, wenn plötzlich der Ehering Santas fehlte. Seit 2001 ist Santa sogar im Fernsehen lebendig, animiert von Academy-award – Gewinner Alexandre Petrov.

Die eigentliche Farbe des Weihnachtsmanns aber scheint Blau gewesen zu sein. Dies entdeckten Archäologen 2005 bei Ausgrabungen unter einer 1904 abgebrannten Spielzeugfabrik in den USA. Der einzige Weihnachtsmann unter all den Glasmurmeln und anderen Spielzeugen erinnerte eher an Väterchen Frost und stand damit in der deutsch russischen Tradition. Damals für einen Penny zu haben, kostet die neuaufgelegte Figur heute um die 15 Dollar.

Der Trend zu Blau dieses Jahr ist demzufolge wohl auch nicht neu…

Wie auch immer der Ur-Weihnachtsmann ausgesehen hat – wir hoffen, er findet unsere Adresse!

© Haddon Sundblom-Coca Cola via jessicab-art.blogspot.de

Anne Walzog gefällt dieser Artikel

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