Blek le Rat

© Blek le Rat

Die Geschichte einer Liebe in Leipzig – Blek Le Rat & Street Art mit Gefühl

Viele Lieben beginnen in Leipzig. Die Liebe zum Auwald, zum Silbersee, nicht zu vergessen zum Wildpark oder zum bekannten Zoo Leipzig. Die Skyline Leipzigs mit dem früheren Uniriesen und dem Völkerschlachtdenkmal ist immer wieder ein wahrer Magnet für Besucher, viele Leipziger schätzen zudem an ihrer Stadt das Großstadtflair gepaart mit den relativ kurzen Wegen und der an eine Kleinstadt erinnernde städtischen Überschaubarkeit. Die Karl- Liebknecht- Straße ist wohl die älteste In-Straße der Stadt, sie ist Kneipenmeile, angesagtester Ort für WGs, und sie scheint nie still zu stehen. Straßencafés oder Flohmärkte lassen sie pulsieren, sie ist sicherlich das Herzstück des Bienenschwarms. Und auch im Privaten beginnen auf der Karli in der Studentenmetropole viele Lieben.

 

© blek le rat via kotzendes einhorn.de

 

Eine kleine Anekdote, die uns ein „Aaaah“ und „Ooohhh“ entlockte hat, wollen wir Euch nicht vorenthalten, denn sie ist ein Kunstmärchen mit Happy End.

Das Märchen ereignet sich Anfang der Neunziger in der Messestadt. Ein französischer Street Art-Künstler wird von der Universität Leipzig eingeladen, die Metropole mit seinen Graffitis zu verschönern. Er nimmt die Einladung an, damals waren Graffitis noch nichts Illegales. Er  lernt seine große Liebe kennen, Sybille aus Liebertwolkwitz, die er später heiratet und mit der er heute einen nun schon erwachsenen Sohn hat. Ihr widmet er eines seiner Stencils. Pour Sibylle, sprayt er daneben.

 

© blek le rat_dirk knofe, lvz

Die Rede ist vom Urvater des Stenciling oder des Schablonen-Graffitis, Blek Le Rat. Dessen Madonna, eine Frau in schwarzem Kleid mit ihrem nackten Kind im Arm, gehört nun zu den Leipziger Sehenswürdigkeiten. Nicht in einem Museum, obwohl auch dies in Erwägung gezogen wurde, sondern so wie es sich für Street Art gehört: Auf der Straße, der Karli #7.

Entdeckt wurde das Werk des bekannten Graffiti-Künstlers vor gut einem Jahr, als der Regen die unzähligen Schichten Plakatpapier auf der Hauswand ablöste. Eine Leipzigerin erkannte das Motiv wieder, das sie früher täglich auf ihrem Schulweg bewundert hatte, und begann zu recherchieren. Nun ist das Werk verglast und wurde vor einigen Tagen enthüllt und eingeweiht, sogar die Stadtrundfahrt stoppt hier nun.

 

© Blek le Rat

 

Blek Le Rat, mit „richtigem“ Namen Xavier Prou, begann mit einem Freund am Anfang der 80iger Jahre mit seinen Graffitis. Zuerst sprühte er sie frei Hand auf Mauern, war aber nicht zufrieden. Deshalb entwickelte er sogenannte Pochoirs dafür und sprayte fortan seine Motive mit diversen Schablonen auf das Gestein. In der Szene sind gerade Madonnenfiguren, wie jene in Leipzig, ein großes Thema, doch auch politische Motive von Blek le Rat sind hochangesehen. Ein bekanntes zeigt beispielsweise einen Iren, der britische Soldaten beschimpft. Heut widmet sich der Künstler mehr und mehr unpolitischen Themen. Noch lange bevor Banksy mit seinen Ratten-Stencils berühmt wurde, waren Blek le Rats Ratten-Arbeiten Anfang der Achtziger schon ein Thema.

 

© blek le rat via dave schumaker via flickr.com

Für Le Rat sind seine Motive und Arbeiten die pure Kommunikation. Statt einfach ein „Ich war hier“ zu hinterlassen, bringt er seine Nachrichten in Form von Schablonen-Graffitis zum Ausdruck. Ratten, Panzer, Bananen werden so zum Kommunikationsmittel seiner Gefühlswelt.

Großformatige Arbeiten Le Rats waren beispielsweise auch Tom Waits und Andy Warhol, aber nirgendwo gibt es ältere Spuren seiner Kunst als jetzt hier – in Leipzig, eben dort wo die eine Liebesgeschichte begann. Ein wahres Happy End.

 

Blek le Rat – Madonnenfigur
Karl – Liebknecht – Str. 7
Südvorstadt, Leipzig

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