Stiftung Haus der Geschichte

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Dig, Dag, Digedag – die Stars des DDR-Comicdesigns

Aus den Augen, aus dem Sinn? Seit 1975 wurden sie nicht mehr gesehen, die drei Abenteurer des Mosaiks Dig, Dag und Digedag waren einfach still und leise aus den Augen der Comicliebhaber der DDR entschwunden, abgelöst von den Abrafaxen. Aus dem Sinn konnten sie sich aber dabei nicht stehlen, Dig, Dag und Digedag waren einfach zu beliebt und beinahe schon zu kultig. Nun sind sie wieder da- in einer Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig mit wunderbaren bisher unveröffentlichten Zeichnungen und Skizzen des Erfinders Johannes Hegenbarth.

 

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Was machte und macht sie noch zum Kultobjekt der DDR-Kindheit? Vielleicht war es zum einen, dass Comics als kapitalistisch verschrien und, plakativ gesagt, ‚böse‘ waren. Sie wurden nicht nur verteufelt, sondern waren sogar verboten. Und trotzdem schaffte es das Mosaik, sich in die Herzen der Leser zu katapultieren und bis heute dort zu kampieren. Es war ein Medium frei von Propaganda, das mit dem Fernweh seiner Leser spielte, ihn auf abenteuerliche Reisen in den Orient und ans andere Ende der Welt führte und schlicht und ergreifend mit seiner spritzig-offenen Art begeisterte. Ganz „nebenbei“ vermittelten die „Digedags“ historisches, geografisches sowie naturwissenschaftlich-technisches Wissen – eine Lektüre, die viele Ostdeutsche bis heute prägt.

 

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Sie waren ein wichtiger Teil der Alltagskultur. Das monatliche Anstehen am Kiosk, um eines der begehrten «Mosaik»-Hefte zu ergattern, gehörte für unzählige DDR-Kinder dazu. Und, wie es der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, Rainer Eckert, beschrieb:

„Die Diktatur ohne den Alltag zu erklären, wird an der Wahrheit vorbeigehen.“

 

Die Ablösung der Digedags durch die Abrafxe ist übrigens für Hegenbarth eine nicht ganz verheilte Wunde, da ein Teil seiner Leute damals einfach weiter machte. Und auch diese Details lässt die Ausstellung nicht außen vor. Sie zeigt neben Leckerbissen, wie nie zuvor gesehenen Skizzen und Druckvorlagen der Digedags, besonders die Begleitumstände der einzelnen Reihen und spiegelt die Faszination wider, die das Mosaik sogar noch heute ausübt. Und der Ansturm auf die Ausstellung macht dies umso deutlicher: Proppenvoll war es gestern in den heiligen Hallen des Zeitgeschichtlichen Forums. Das bestätigen auch die nun veröffentlichten Zahlen von mehr als 34.000 Besuchern bisher. Dass die Schau hier zum Renner wird, wundert uns von DailyArtDesign eher wenig, jedoch fänden auch wir es schön, wenn sie auch in anderen Teilen Deutschlands zu sehen sein könnte. Dies scheint bislang nicht geplant zu sein. Dabei lässt sich zweifellos sagen: Echt schau, die Schau!

Und wer mehr zu den Helden und Hintergründen der vielleicht ersten Graphic Novel erfahren und sich noch bevor er die Ausstellung besucht, kundig machen will, dem können wir wärmstens den Freestland-Beitrag empfehlen. Besser zusammenfassen kann man man die Mosaik-Gegebenheiten wohl nicht!

Wer also bis 13. Mai in und um Leipzig weilt, sollte sich die Illustrationen Hegenbarths, die geschichtlichen Hintergründe und einfach das Flair dieses Kleinods nicht entgehen lassen. Wo sonst wird man plötzlich wieder zum Kind und bewundert mit staunenden Augen Dig, Dag und Digedag?!

 

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