Privatsammlung Hamburg

© Privatsammlung Hamburg

Dodo – ein Leben in den Goldenen Zwanzigern

© Dodo Estate Athen

Wer ist eigentlich Dodo? Ihr bürgerlicher Name war eigentlich Dörte Clara Wolff, ein Name der um nichts auf Vergangene Zeiten hindeutet, der sogar aus heutigen Generationen stammen könnte. Sie machte daraus Dodo, ihren Künstlernamen. 1907 in Berlin als Tochter einer gutbürgerlichen, jüdischen Familie geboren, ist sie bis heute als Künstlerin weitgehend unbekannt. Bis jetzt. Denn nun sind ihre Graphiken, Karikaturen und Illustrationen, die für verschiedene Zeitschriften der Zwanziger Jahre entstanden, in einer Ausstellung zu bewundern und sogleich Zeugnis der Goldenen und wilden Zwanziger.

 

Dodo, die eine graphische Ausbildung in Schöneberg an einer privaten Kunst- und Kunstgewerbeschule absolviert hatte, wurde darauf innerhalb weniger Monate zur gefragten Modegraphikerin. Mit staksigen Beinen, Taille und Busen scheinbar nicht vorhanden, strotzen ihre Modelle, menschlichen Abbilder und Karikaturen von unmittelbarer Farbigkeit, Schärfe und formen ein persifliertes Abbild der Zeit. Sie verkörpern die modernen Zeiten, das Leben in der Großstadt mit dessen Schnelllebigkeit, Anonymität, moderner Offenheit, legendären Partys – ein Leben, was vielschichtiger nicht sein könnte. Dodos Leben. Ihre Illustrationen siedeln sich zwischen Art Déco und Neuer Sachlichkeit an.

 

© Hatje Cantz

Highheels, die an Lebensmüdigkeit erinnern, Frauen mit Bubiköpfen oder sogenannten Bobschnitten, ultralange Beine in auffallenden Shorts – Dodo zeigte die „Neue Frau“, emanzipiert, selbstbewusst, fast arrogant. Auch der nahezu bittere Beigeschmack von Luxus und dekadentem Feiern wird deutlich. Bilder einer Großstadt eben.

 

Sie selbst schwankte zwischen verführerischer Selbstbestimmung und dem Halt traditioneller Beständigkeit. Sie heiratete als 23-Jährige den 25 Jahre älteren Anwalt Hans Bürgner und bekam kurz hintereinander zwei Kinder. Depressionen, ein Liebhaber, psychotherapeutische Analysen, die Scheidung und eine neue Hochzeit folgten. Der neue Mann, Gerhard Adler, hatte, schon eine Geliebte, bevor er sie heiratete.

 

1936 rettete sie sich ins Londoner Exil, wo sie weiter illustrierte und sich auch an Kinderbücherillustrationen und Glückwunschkarten versuchte. Ihr Leben stabilisierte sich. Später heiratete sie ihren ersten Mann wieder.

 

1998 starb sie nach einem bewegten Leben, das sie mit Hans Bürgner in London verbracht hatte. Schade ist und bleibt wohl nur, dass sie ihren Ruhm nicht mehr erleben konnte.

 

“Dodo – ein Leben in Bildern” bis 28. Mai, im Kulturforum, Kunstbibliothek, Berlin,

Eingang Matthäikirchplatz

Weitere Station: The London Jewish Museum, 2. Juni bis 9. September

Publikation: “Dodo-Leben und Werk (1907 -1998)”, Renate Krümmer (Hrsg), erschienen im Verlag Hatje Cantz , Preis 39,80 Euro

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