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Nick Knatterton, der Sherlock Holmes des deutschen Comics

Sherlock Holmes, James Bond, Nancy Drew, Detektiv Conan oder Miss Marple – mit viel Witz, Charme und Cleverness gehen sie seit Jahrzehnten auf Verbrecherjagd. Einer der Stars unter den Detektiven dabei ist Nick Knatterton oder besser gesagt Nikolaus Kuno Freiherr von Knatter, der seit über 50 Jahren weder vom Auflösen schwerwiegender Verbrechen noch aus der Comiclandschaft Deutschlands wegzudenken ist.

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Nick Knatterton ist eine Mischung aus James Bond und Sherlock Holmes in Comicgestalt. Mit seiner Spitzfindigkeit, seiner Schlagfertigkeit und dem messerschärfsten Verstand löst Knatterton seit den 50iger Jahren seine Fälle, und die Welt liebt ihn dafür. Sein Markenzeichen: „Kombiniere!“, was sich zum geflügelten Wort entwickelt hat, geht Hand in Hand mit dem spitzen Kinn und seiner Pfeife. Durch und durch gepflegt mit immer adrettem Karo – Anzug, Fliege und weißem Hemd gestylt, kann sich der kluge Inspektor sehen lassen. Ein Superheldentum, das sich durch Kopflastigkeit auszeichnet; das ganze Gegenstück zu Superman & Co. also!

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Bereits Anfang der 50iger wusste die gesamte Republik, mit wem sie es zu tun hatte, denn die schlaue Figur Knattertons eilte nur so durch diverse Zeitschriften. So schnell, so zielsicher wie der Detektiv seine Fälle löste, eroberte er auch die Herzen seiner Leser und zog ganz nebenbei die Bonner Republik gleich mit durch den Kakao. Neben seiner Erscheinung und seinem Markenzeichen hatte Knatterton aber noch ein anderes Erfolgsgeheimnis: Eine ordentliche Portion Sex sorgte in den Comics für ein rasches Bekannt- und Beliebtwerden des kopflastigen Helden, der seinen langbeinigen und üppigen Damen gern hinterherschaute. Ein Skandal im prüden Nachkriegsdeutschland.

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Was sich wie ein Lauffeuer verbreitete, war für den Erschaffer der Figur fast wie Fluch. Manfred Schmidt, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde, hatte schon 1935 die erste Bildergeschichte mit dem Protagonisten Knatterton in der „Grünen Post“ veröffentlicht. Schon damals wurde der Comic-James Bond mit seinem Erfindungsgeist berühmt, nutzte er doch Technik, von der ein 007 nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Selbstverständlich wurden seine Fälle immer bravourös  gelöst. Nach dem Krieg fiel Schmidt ein Heftchen mit dem US-Comic Superman in die Hände, was er als Stumpfsinn abtat. Und er beschloss, Superman gnadenlos zu karikieren. Das Resultat war Nick Knatterton, die deutsche Antwort auf die vielen ‚Bängs’ der Comic-Helden und der Liebling der Massen. Dabei wollte Schmidt nur seiner Abscheu einen Spiegel vorhalten…

 

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Doch der Plan ging nicht auf. Trotz aller Überflutung der kleinen Seiten mit Chaoselementen, der Überzeichnung seiner Protagonisten, des Überlappens mit Handlungsabläufen, Textblöcken und Sprechblasen und dem absolut vollgestopften Charakter im gesamten Comic wurde aus Nick Knatterton ein Überflieger, vielleicht sogar gerade deshalb. Selbst Schmidts Versuche, Knatterton heiraten zu lassen und seinen geplanten Tod herbeizuführen, löste eine nur noch größere Hysterie aus. Die Knatterton-Manie griff um sich. Erst als der Künstler sich einer wirklich schlimmen Krise befand und durch seine Schreibblockade keine Knattertonschen Abenteuer mehr erfinden konnte, ließ seine Redaktion Schmidt und damit Knatterton ziehen.

 

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Bis April dieses Jahres können sich die Liebhaber und Anhänger des scharfsinnigen Detektiven freuen: In Hannover wird zum 100. Geburtstags seines Erfindervaters Knatterton eine Ausstellung gewidmet. Schmidt, der 1913 geboren wurde, zeichnete bereits regelmäßig seit er 14 Jahre war, studierte an der Bremer Kunstgewerbeschule und ging danach nach Berlin. Er wollte zum Film. Sein Zeichentalent allerdings „verfolgte“ ihn – Der Verleger Ullstein hielt viel von ihm. So ergab eins das andere, Knatterton wurde sein Goldesel und sein Fluch zugleich. Die Ausstellung lenkt den Blick aber auch auf andere Arbeiten des Künstlers, der später auch als Reisejournalist erfolgreich war und 1989 verstorben ist. Kombiniere!

 

Nick Knatterton und andere Abenteuer –
Manfred Schmidt zum 100. Geburtstag.
Im Wilhelm Busch – Deutschen Museum für Zeichenkunst; bis 21. April.

 

 

 

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