Hans Walter Hübsch

© Hans Walter Hübsch

DailyArtDesign INTERVIEW mit Hans Walter Hübsch – Kunstmaler

DAD: Hallo, erzählst du uns ein wenig über dich und deinen Werdegang?
HWH: Schon früh führte Mutter Gisela an künstlerische Werke heran. Sie ist auch heute noch eine Frau mit dem Blick für das Besondere und dekoriert ihre Umgebung mit Reproduktionen bekannter moderner wie auch klassischer Künstler. Der Onkel, Hans Harald Schulze-Theiler führte lange Jahre in den 70ern und weit in die 80er hinein die Galerie „Schulze-Theiler“ in Münster Westfalen und vermittelte erste Einblicke in die moderne Kunst, zeitgenössische Kunst wie auch antike Kunstproduktionen.

Intensive Betreuung durch die Kunstlehrer ALBERT, GRIMM (Feuerplastik) und MELSBACH lassen Reibung entstehen und erzeugen nachhaltige Spuren. Zahlreiche Buntstiftzeichnungen bringen die Auseinandersetzung mit der emotionalen Seite der Zeit als Wehrpflichtiger zum Ausdruck. Die Wahlmöglichkeit „Leistungskurs Kunst“ hat es damals noch nicht gegeben.

DAD: Wann hast du deine Karriere als Kunstmaler gestartet?
HWH: Seit 1991 unterrichte ich an Schulen und zuletzt in Waldfischbach-Burgalben Kunst und Biologie. Der Rheinland-Pfälzischen Künstler KLAUS HEINRICH KELLER ist als Kollege durch seine künstlerische und kunstpädagogische Tätigkeit ein wichtiges Vorbild ist. Bereits während des Studiums und auch danach wurden immer wieder besondere Arbeiten geschaffen, die auf eine besondere Affinität zum bildnerischen Gestalten Hinweise gaben.

DAD: Hast du einen Lieblingskünstler und wer oder was inspiriert dich bei der Arbeit?
HWH:
Max Ernst, Paul Klee, Marc Chagall, Jackson Pollock aber auch Salvadore Dali und René Magritte stehen bei mir hoch im Kurs. Besonders jedoch haben die Fotorealisten ihren Eindruck in mir hinterlassen.

Die Geburt der ersten Tochter 1995 regt die Auseinandersetzung mit dem Thema „Schwangerschaft und Geburt“ weitere kleine Gemälde an. Ein „kubischer Realismus“ führt farbenfroh und einprägsam in einfacher Bildsprache von der Entstehung eines Wunschkindes bis hin zu den ersten Lebensmonaten.

Heute verbinden sich die Unterrichtsfächer „Kunst“ und „Biologie“ auf wundersame Weise in der Blumenserie „Miniaturansichten“. Hier wachsen natürliche Miniaturen der Natur zum riesenhaften Kunstobjekt, zeigen sich in neuem Licht. Mit Licht und Farbe für das Leben präsentieren sich Blüten in der Natur als farbenfrohe Schausteller. „Miniaturansichten“ lockt auf spezielle Art. Kleine Dinge wollen ganz groß gesehen werden.

© Hans Walter Hübsch

Vier Kinder und berufliche Verpflichtungen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Das Malen findet dennoch seinen Platz. Sehr schnell gerät die Welt in Vergessenheit, wenn „es malt!“

DAD: Woher bekommst du die Ideen für deine Motive?
HWH: Seit drei Jahren treffe ich mich mit meinem Malerfreund Roman Schafnitzel aus Hotviller in Frankreich regelmäßig. Roman ist Autor des Romans „Am 7. Tag erschuf Gott die Vergänglichkeit“ (Rhein-Mosel-Verlag). Wir verstehen uns gut. Unsere Rituale: gemeinsames Abendessen, wir prosten uns zu; wir dürfen so sein, wie wir sind – es braucht sich niemand zu verstellen. Dann arbeiten wir und besprechen uns im Wechsel. Diese Zeit der Ruhe und des Vertrauens geben das Gefühl ungeheuer leistungsstark und kreativ zu sein. Die Motive kommen oft intuitiv, gehen aus vorausgegangenen Arbeiten hervor, entwickeln sich im Gespräch mit Roman oder tauchen nachts schemenhaft und zum Teile ganz konkret als Arbeitsvorlage auf. Dabei spielt ein besonderes Gefühl eine Rolle, ein Farbeindruck oder auch Situationen, die im Traum verarbeitet werden.

DAD: Welche Materialien / Medien / Software benutzt du für deine Kreationen?
HWH: Die Bilder werden in Acryl auf Leinwandbild überwiegend im Format 100 x 100 Zentimeter mit dem Pinsel aufgetragen. Pinselstärken gibt es nur zwei: nämlich 12 und 6, das genügt. Die Farbauswahl ist ebenfalls spartanisch und verwendet die Grundfarben rot, gelb und blau aber auch weiß zur Aufhellung. Somit entsteht in allen Bildern ein besonderer Form- und Farbcharakter, der unverwechselbar erlebt wird.

DAD: Wie würdest du deinen Stil beschreiben, womit wecken deine Werke Interesse bei seinen Betrachtern?
HWH: Am Anfang stand für mich das Kopieren von einfachen Naturphänomenen, nämlich den Blüten. Immer weckten Stillleben die Aufmerksamkeit. Das Auge wird geschult und ermöglicht den Transfer, zum Erschaffen eigener Kompositionen. Viele Schichten Farbe werden lasierend aufgetragen bis ein komplexes Farbgefüge entsteht, das an fotorealistische Darstellung erinnert. Man könnte diese Technik augenzwinkernd als „LaMoschi“-Technik bezeichnen. Ausgefeilte Raumwirkung, ausgewogene Komposition der Farbe und Form, zufällige Gegebenheiten und vielfältige Assoziationen ergeben immer aufs Neue ein ansprechendes Gesamtwerk. Wer genau hinsieht, kann in vielen Bildern Bestandteile finden,  die zum Nachdenken anregen vielleicht auch provozieren können.

DAD: Was war bisher dein Lieblingsprojekt und warum gerade dieses?
HWH: Die größte Herausforderung stellt das Mosaik „Tobinambur“ dar. Das Bild besteht aus 20 einzelnen Teilen, wiegt 70 Kilogramm und ist 3,25 Meter mal 3,25 Meter groß. Diese Arbeit war zunächst nichts als die Fortsetzung der Serie „Miniaturansichten“. Aus einem „Bogen“ 100 x 100 Zentimeter wurden zunächst vier Teile also der Innenteil einer Tobinamburblüte). Nun war der Weg geebnet für weitere Ergänzungen. Es folgten dann 16 Teile, die die Zungenblüten aufnahmen.

Das größte Problem stellte die Aufhängung der einzelnen Teile im richtigen Abstand und stabil zueinander dar. Eine Trägerkonstruktion musste erfunden werden, die eine solide und flexible Aufhängung an jeder Wandfläche möglich machen konnte.

DAD: Woran arbeitest du gerade / womit wirst du uns in Zukunft an künstlerischen Projekten erfreuen?
HWH: Neuerdings fließen wieder gehäuft surrealistische Themen in die Leinwandbilder ein. Da sind z. B. die Bilder „Neben der Vase“, „Sehnsucht“ oder auch „Kommen und Gehen“ die sich mit dem Tod und der Vergänglichkeit auseinander setzen. Da spiegelt sich eine gewisse Lebenserfahrung wider. Trotzdem wirken die Bilder nicht schwermütig, sondern machen Mut, das Leben so anzunehmen, wie es ist. Absolutes Lieblingsbild in diesem Zusammenhang ist die Fantasieblume „1000 und einen Nacht“.

DAD: Was hält dich bei der Arbeit an der Leinwand wach?
HWH: Eros! Das ist ein kraftvoller Begriff. Seit Jahren freue ich mich auf jeden neuen Mal-Abend mit Roman – das ist wie vor einem Date, es kribbelt im Bauch. Auch alleine geht es oft genauso zu . Kaum kann ich es abwarten die tägliche/berufliche Pflicht zu erledigen und hoffe auf die Ruhe, die von Pinsel und Leinwand auf mich übergehen. Reiner Lustgewinn? Auf jeden Fall ist darin jede Menge psychische Energie enthalten. Diese Kraft stellt den Lebenstrieb an sich und wird seit Freud als Libido bezeichnet. Für mich und meinen Freund äußert sich dies in erster Linie durch das Malen. Hier fließt Energie hinein, hier wird positive Energie frei gesetzt. Und die meisten Bilder spiegeln Lebensfreude wider. Da macht die Arbeit einfach nicht müde.

Ist das eine krankhafte Sucht? Sicherlich ist damit kein Siechtum verbunden. Aber das Wort „suchen“ steckt ebenfalls darin. Ich bin auf der Suche, wie dies wohl bei den meisten Menschen der Fall sein wird. Wonach wir suchen ist nicht ganz klar. Der Weg ist das Ziel und vielleicht ein Bild im Kopf von einer Zukunft, die stark durch die Vergangenheit ihre Prägung gefunden hat, aber auch den Wandel nicht außer Acht lassen darf. Positiv soll es sein, liebevoll und friedlich.

Natürlich hat Kunst sehr wohl auch etwas mit Krankheit zu tun. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass bestimmte Krankheitszustände erst in die Lage versetzen besondere Kunstproduktionen zu schaffen. Kunst dient auch der Krankheitsbewältigung – die Bewältigung von Ungleichgewichten in uns selbst – Beziehungsprobleme, Lebensängste aber auch organische Leiden wie z. B. Krebs können durch das Malen Linderung erfahren, vielleicht Heilung. All diese Zustände spielen bei mir eine große Rolle.

DAD: Hast du als erfahrener Künstler ein paar Tipps für Anfänger und Neulinge in deinem Bereich der Kunst?
HWH: Mensch sein heißt neugierig sein, genau beobachten, imitieren, kreativ sein, Neues schaffen. Wer verspürt diesen Wunsch in sich nicht immer mal wieder? Dann entsteht Kunst. Dies ist dann hier die Malerei mit all ihren Mitteln. Ob die Ergebnisse gefallen oder nicht, das entscheidet jeder selbst. Der schöpferische Akt endet jedes Mal, wenn sich eine Befriedigung einstellt, d. h. an dem Kunstobjekt ist dann trotz längerer abschließender, kritischer, subjektiver Betrachtung keine Änderung mehr notwendig oder auch möglich.

Es gibt kein Leben neben der Kunst. Die Bilder und Produkte entstehen schon vor dem Beginn in uns selbst. Diese Botschaften hören und erkennen lernen stellt die besondere Herausforderung dar. Natürlich ist es leicht einen Markt zu bedienen. Das Handwerkszeug dafür bringen viele mit. Ob diese Form der schöpferischen Tätigkeit auch zufrieden macht?

Dankbar dürfen wir sein, dass wir neben unserm Beruf die Zeit haben, etwas herzustellen, das reinen Selbstzweck erfüllt, vielleicht eine Botschaft enthält, auf jeden Fall die Dinge positiv zeigt. Es sind keine Gebrauchsgegenstände oder gar eine Dienstleistung. Gehen die Arbeiten einmal in andere Hände über? Betrachter sind allemal da und setzten sich mit den Bildern auseinander. Vielleicht bereiten sie eine Freude, vielleicht regen sie zum Widerspruch an.

Dennoch: ich bin der Ansicht, dass Kunst auch als Treibmittel meinen Alltag wichtig ist. Zur letzten Finissage der Kunstmeile in Annweiler betonte Bürgermeister Wollenweber, dass die Menge der Kunstproduktion einer Gesellschaft unmittelbar im Zusammenhang mit dem Wohlstand der Gesellschaft im Zusammenhang stehe. Luxus oder notwendiges Treibmittel. Darüber lässt sich nachdenken.

DAD: Herzlichen Dank für das Kurz-Interview! Für deine Künstlerkarriere wünschen wir weiterhin viel Erfolg!

Mehr Informationen zum Künstler unter:
Künstlerseite von Hans Walter Hübsch
Hans Walter Hübsch Poster

 

2 Gedanken zu “DailyArtDesign INTERVIEW mit Hans Walter Hübsch – Kunstmaler

  1. Tolles Interview. Ich mag es, wenn die Fragen individuell sind und nicht langweilig und 0815. Wirklich toll und besodners gut gefällt mir die Frage nach den Möglichkeiten/ Tipps für jungen Künstler. LG, Marie

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