Julia Striegel

© Julia Striegel

DailyArtDesign INTERVIEW mit Julia Striegel – Künstlerin

DAD:  Hallo, erzählst du uns ein wenig über dich und deinen Werdegang?

JS: Ich bin 1987 in Ludwigshafen geboren, lebe heute in Mainz und studiere hier an der Johannes Gutenberg-Universität. Seit dem Wintersemester promoviere ich im Fach Buchwissenschaft. Ja, das hat bis jetzt noch nicht viel mit Kunst zu tun, aber das ist auch nur eine Seite meines Lebens. Andererseits habe ich schon immer viel gemalt und gezeichnet, nehme an Ausstellungen teil und mache gelegentlich Auftragsarbeiten, vor allem Portraits. Im künstlerischen Bereich bin ich also Autodidakt.

© Julia Striegel via posterlounge.de

 

DAD: Wann hast du deine Karriere als Künstlerin gestartet?

JS: Wie gesagt, habe ich schon als Kind viel gemalt, aber mit eigenen künstlerischen Arbeiten habe ich so richtig erst mit dem Ende meiner Schulzeit angefangen. Mit meinem ersten eigenständigen Portrait habe ich gleich an einem Wettbewerb teilgenommen und einen der vorderen Plätze belegt. Das war 2006. Zwei Jahre später habe ich mich dann an einer lokalen Ausstellung eines Kunstvereins in Bretzenheim beteiligt. Nachdem ich mich zwischenzeitlich etwas mehr auf mein Studium konzentriert hatte, ging es anschließend 2011 nach Berlin. Dort war ich Mitausstellerin bei der BAGL SPRINGtime. Im gleichen Jahr konnte ich auch über vier Monate eine Einzelausstellung in einem Optikerladen in Griesheim durchführen. Dieses Jahr schließlich war ich im Mai an der PAF (Parallax Art Fair) in London beteiligt, und im Oktober wurden meine Werke von einer italienischen Galerie in Rom auf dem Spoleto Art Festival präsentiert.

 

DAD: Hast du einen Lieblingskünstler, und wer oder was inspiriert dich bei der Arbeit?

JS: Da ich im Nebenfach Kunstgeschichte studiert habe, gibt es natürlich einige Künstler, mit deren Werk ich mich schon intensiver befasst habe, wie beispielsweise Dürer, Rembrandt oder Bernini. Aber einen bestimmten Lieblingskünstler habe ich nicht. Jede Epoche hat ihren Reiz für sich und mir gefallen sowohl da Vinci, Michelangelo und Vermeer als auch Klimt, Picasso oder Dalí. Ich habe mich auch nie auf eine bestimmte Kunstgattung festgelegt. Skulpturen können mich genauso fesseln wie Gemälde oder Fotografien. Ich finde es wichtig, möglichst viel kennenzulernen und immer Neues zu entdecken, um sich auch selbst positionieren und absetzen zu können.

 

DAD: Woher bekommst du die Ideen für deine Motive?

JS: Meine Ideen sind oft einfach vom einen auf den anderen Moment da. Das hat die verschiedensten Gründe. Mal sehe ich eine Szene auf der Straße oder im Alltag, die mich inspiriert, ein andermal fällt mir ein länger zurückliegendes Erlebnis ein. Oder es ist schlicht ein einzelnes Wort, das sich plötzlich zu einem Bild formt.

 

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DAD: Welche Materialien benutzt du für deine Kreationen?

JS: Am liebsten und häufigsten male ich mit Öl auf Leinwand. Mit Aquarell oder Bleistift arbeite ich gelegentlich, das kommt immer ganz auf den Bildinhalt an. Aber ich probiere auch immer gerne etwas Neues aus, z. B. Collagen mit unterschiedlichen Materialien.

 

DAD: Wie würdest du deinen Stil beschreiben, womit wecken deine Werke Interesse bei seinen Betrachtern?

JS: Den eigenen Stil zu beschreiben, ist gar nicht so leicht. Am häufigsten male ich realistische Portraits, die ich in einen fantastischen, zum Teil surrealistischen Kontext einbinde. Durch diese oft auch gegenstandslose Umgebung versuche ich jeweils den Charakter der dargestellten Person auszudrücken. Ein anderes Mal steht die Person allerdings nicht für sich selbst, sondern einen abstrakten Begriff, beispielsweise Glück, Eitelkeit oder Scheu. Hier soll ebenfalls das Wesen des Ausdrucks durch eine realistische Figur in einem irrealen Zusammenhang dargestellt werden. Das gilt im Großen und Ganzen auch für Auftragsarbeiten. Die meisten meiner Käufer schätzen gerade das Besondere eines persönlichen Kontextes, den man mit einer Fotografie so nicht darstellen könnte. Ich male nicht einfach Fotos ab, sondern ich benutze meine Phantasie und will die Leute zum Nachdenken anregen. Gleichzeitig male ich nie nur abstrakt, denn ich möchte den Betrachter nicht alleine lassen. Man muss nicht gleich alles erfassen, was ich mit einem Werk ausdrücken will, aber man soll vor meinen Bildern auch nicht mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf stehen.

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DAD: Was war bisher dein Lieblingsprojekt und warum gerade dieses?

JS: Am liebsten sind mir die Bilder, die spontan und aus dem Gefühl heraus entstanden sind. Das sind in meinen Augen auch immer die gelungensten. Wenn ich vorab zu viel über den Inhalt, die Komposition und die Farbgebung grüble und zu verkopft konstruiere, wirkt es nicht mehr natürlich, und ich bin unzufrieden damit.

 

DAD: Woran arbeitest du gerade / womit wirst du uns in Zukunft an künstlerischen Projekten erfreuen?

JS: Momentan habe ich mehrere Projekte in Vorbereitung. Ich entwerfe Postkarten, also Kunst im Kleinen. Die erste Serie beschäftigt sich mit dem Thema Märchen. Außerdem habe ich bereits das erste Portrait einer Reihe fertiggestellt, in der die Haptik eine größere Rolle spielen soll. Es ist das Portrait einer Frau, die einen dicken Schal trägt, den ich dreidimensional mit Knüpfwolle herausgearbeitet habe. Hier sollen die Betrachter die Bilder anfassen und das, was sie sehen, fühlen können.

 

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DAD: Was hält dich bei der Arbeit an der Leinwand wach?

JS: Wenn ich vor der Leinwand sitze, bin ich nicht müde. Zwar mache ich mir dabei oft Musik oder den Fernseher an, bekomme davon dann aber meist nicht besonders viel mit. Das Bedürfnis, die Bilder aus meinem Kopf möglichst schnell auf die Leinwand zu bringen, hält mich fit.

 

DAD: Hast du als erfahrener Künstler ein paar Tipps für Anfänger und Neulinge in deinem Bereich der Kunst?

JS: Geduld sollte man haben – einerseits mit sich selbst, wenn einmal etwas nicht so gelingt, wie man es gerne hätte, und andererseits braucht es viel Zeit und Kraft, nicht nur Anerkennung für seine Kunst zu bekommen, sondern vielleicht sogar ein Stück davon leben zu können. Ich kann nur raten, sich auch mit anderen Künstlern auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu profitieren, gerade was beispielsweise Ausstellungsmöglichkeiten angeht.

 

Herzlichen Dank für das Kurz-Interview!
 Für deine Künstlerkarriere wünschen wir weiterhin viel Erfolg!

 

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