Mario van Middendorf via posterlounge.de

© Mario van Middendorf via posterlounge.de

DailyArtDesign-Interview mit Mario van Middendorf – Fotograf

DAD: Hallo Mario, erzählst du uns ein wenig über dich und deinen Werdegang?

MvM: In meinen jungen Jahren habe ich in Köln Fotografie und Grafik-Design studiert.Surrealismus hat mich immer schon begeistert, weshalb ich 1976 Finalist beim Max-Ernst-Stipendium wurde. Da war ich 24 Jahre alt, hochmotiviert und dennoch der Überzeugung,  dass man in Deutschland mit Kunst nur schwer seinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Deshalb ging ich 30 Jahre lang als Creative Director in die Werbung.

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DAD: Wann hast du deine Karriere als Foto-Künstler gestartet?

MvM: 2005 habe ich erst wieder begonnen, ernsthaft und ausschließlich als Künstler zu arbeiten. Trotz schneller Erfolge kann ich jetzt aber mit Bestimmtheit sagen: Es ist schwer als Künstler Geld zu verdienen! Dennoch – tauschen möchte ich auf keinen Fall mehr. Es ist das Coolste überhaupt, wenn man als Beruf das ausüben darf, was Freude bereitet und Leidenschaft fördert.

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DAD: Hast du einen Lieblingskünstler, und wer oder was inspiriert dich bei der Arbeit?

MvM: Oh ja, es gibt sehr viele Kollegen aus allen Bereichen, die ich schätze oder liebe. Man trifft sie in Büchern, Bildbänden bei Flickr oder der fotocommunity. Die Inspiration aber kommt aus mir selbst, denn es ist eine große Gefahr, sich seinen Idolen zu nähern. Entweder hört man dann »Du arbeitest ja wie XYZ« oder man selbst wird entmutigt, weil man dem Original nicht das Wasser reichen kann. Insofern kann ich nur jedem raten, möglichst früh und möglichst intensiv an einem eigenen Stil zu arbeiten.

 

DAD: Woher bekommst du die Ideen für deine Motive? 

MvM: Wenn man beruflich Kunst macht, stellt sich diese Frage kaum, denn Du gehst jeden Tag mit hundert Ideen durch die Welt . Außerdem habe ich 30 Jahre Werbe-Training hinter mir. Ich habe da eher die Angst, dass meine Zeit auf diesem Planeten nicht reichen könnte, auch alles umzusetzen. Aber ich will gerne ein konkretes Beispiel nennen: Bei Posterlounge gibt es mein Bild »Trust« (Vertrauen). Da geht ein tonnenschweres Rhino über Wasser und eine junge Frau überlegt, ob sie ins Wasser gehen soll. Zu der Zeit besuchte ich zahlreiche Seminare zum Thema Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität, Yoga, Meditation und Ähnliches. Das hat abgefärbt und zu einem Mut machenden Bild geführt – trau Dir selbst mehr zu und nichts ist unmöglich!

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DAD: Welche Materialien / Medien / Software benutzt du für deine Kreationen?

MvM: Die Frage zielt auf Technik und das ist genau der Punkt über den ich nie rede. Kein Mensch würde einen Maler fragen, welche Pinsel er benutzt hat, aber alle Welt will wissen, welche Kamera oder welcher Computer besonders hilfreich sein könnten. Alles Bullshit! Natürlich ist ein gewisses Quantum an sinnvoller Ausrüstung dienlich. Aber das sind nur Tools, nichts weiter. Eine gute Bildidee entsteht allein im Kopf. Den sollte man trainieren, durch Zuhören und aufmerksames Betrachten der Realität. Genaues Hinschauen eröffnet unglaubliche Horizonte und zuweilen “spricht” eine Landschaft mit Dir! Du selbst wirst dann wissen, was zu tun ist.

 

DAD:  Wie würdest du deinen Stil beschreiben, womit wecken deine Werke Interesse bei ihren Betrachtern?

MvM: Die deutsche »ELLE« schrieb im Januar 2012 über mich:

 “RHEINGOLD – Mario van Middendorfs Fotografien verwandeln Köln in eine sagenhafte Traumwelt. Und lassen selbst gewöhnliche Ecken magisch leuchten.”

Ein feines Kompliment für meine Stadtlandschaften – etwas reduzierter würde ich selbst sagen:  Was ich hinzufüge, wegnehme oder verändere, ergibt im Resultat meine Vorstellung von dem, was ich gefühlt habe, als ich das Bild machte. Schwülstig, üppig oder cool und völlig reduziert. Hell oder dunkel, mich faszinieren Widersprüche und Experimente. Leben eben!

Mario van Middendorf via posterlounge.co.uk

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DAD: Was war bisher dein Lieblingsprojekt und warum gerade dieses?

MvM: Jede Arbeit ist im Entstehungsprozess meine mir liebste, weil ich sie über Wochen in meinen Gedanken habe und mich ständig damit beschäftige. Manchmal dauert es lange, bis alle Bilder endlich im passenden Licht geschossen sind, weil ich häufig in Serien denke. Dabei lasse ich mir Zeit für den geeigneten Ausschnitt, denn nachträglich kommt nichts weg, was drauf ist bleibt drauf.

Deswegen fotografiere ich natürlich jede Menge Motive des gleichen Themas. Dann folgen unzählige Nächte der Bildbearbeitung am Mac. Für mich persönlich ist das der tatsächlich kreativste Teil meiner Arbeit.

 

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DAD: Woran arbeitest du gerade & womit wirst du uns in Zukunft an künstlerischen Projekten erfreuen? 

MvM: Surreale Montagen wie sie bei Posterlounge zu finden sind – etwa das Rhino in »try and win 01-03« oder die Papierflieger »paperJets 25 und 19« haben zwar eine ernsthafte Botschaft und eine schöne Ästhetik, aber ich mache sie kaum noch. In den letzten beiden Jahren habe ich viel an meinem Stil gearbeitet und habe immer mehr versucht, Landschaften und Stadtlandschaften in ihrer Darstellung zu reduzieren. Die Ergebnisse kann man auf meiner Homepage unter »Serien« oder in meinem ersten Bildband »Slow City«, der im Frühjahr 2012 erschienen ist  (USA/ Blurb) anschauen.

 

DAD: Was hält dich bei der Arbeit hinter der Kamera wach?

MvM: Oftmals die Kälte! Ich arbeite gern bei Regen, in der Dämmerung und noch viel lieber im Nebel. Auf den freue ich mich immer sehr! Besonders im Herbst, wenn noch ein paar Blätter an den Bäumen sind. Und wenn ich am Rechner sitze, ist es das Fieber der Leidenschaft, die jedes Gefühl für Zeit verloren gehen lässt. Genau aus diesem Grunde leben meine Frau und ich in getrennten Wohnungen – hält die Liebe spannend und bringt immense Vorteile für meine Arbeit.

 

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DAD: Hast du als erfahrener Foto-Künstler ein paar Tipps für Anfänger und Neulinge in deinem Bereich der Kunst?

MvM: Beruf und Hobby sind zwei Paar Schuh, die man nur schwer vergleichen kann. Grundsätzlich aber gilt für jede Art der künstlerischen Auseinandersetzung, dass sie Spaß machen muss. Macht´s keinen Spaß, lass es sein! Tobe dich aus, probiere was möglich ist und finde dann deinen eigenen Stil. Besonders für die Fotografie braucht es ein gesundes Selbstbewusstsein. Zu viele Menschen, die keine oder nur wenig Ahnung haben, glauben hier mitreden zu können. Hör´s dir an, aber geh deinen eigenen Weg. Und das Wichtigste: Bleib neugierig! Ohne Neugier fehlt die Triebfeder, die Lust auf Beobachten. Jeder ernsthafte Fotograf ist in erster Linie ein umtriebiger Voyeur!!!

DAD: Herzlichen Dank für das Kurz-Interview, Mario van Middendorf! Für deine Künstlerkarriere wünschen wir weiterhin viel Erfolg!

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