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Der berühmteste Maler des letzten Jahrhunderts: Pablo Picasso

Im ausgehenden 19. Jahrhundert in Spanien geboren, wandte sich Picasso früh der Kunst zu und wurde mit seinen „Desmoiselles d`Avignon, Guernica und der Friedenstaube zum berühmtesten Maler des letzten Jahrhundert – und das bereits zu seinen Lebzeiten. DailyArtDesign macht eine kleine Reise durch die Zeit, beleuchtet das Leben des Exzentrikers und wirft einen Blick auf seine Jahrhundertwerke… Schließlich steht im September eine Ausstellung in Chemnitz an!

 

© Pablo Picasso via Posterlounge.de

Picasso und das 20. Jahrhundert

Picasso wurde als ältester Sohn des spanischen Malers José Ruiz Blasco 1881 in Spanien geboren. Bereits der Vater war Maler und widmete sich vor allem „Tauben und Flieder“, so beschrieb es Picasso einst rückblickend. Während sich der Vater also vor allem seiner Leidenschaft für Blumen und Tauben für Esszimmerdekorationen widmete, schlug Picasso zwar einen vergleichbaren Weg ein, aber war dem Vater bereits mit 12 Jahren weit überlegen, wie ein Portrait seiner Mutter zeigt. Bereits 1896 hatte der junge Picasso, der sich erst später den Mädchennamen der Mutter zulegen sollte, ein eigenes Atelier und schuf erste große Bilder. Nach einem kurzen Aufenthalt an der Madrider Kunstakademie 1897-98, zog es den jungen Künstler um 1900 nach Paris. Hier versammelten sich bereits um die Jahrhundertwende die großen Künstler des 20. Jahrhunderts, hier, im Schmelztiegel der Moderne und Avantgarden, fand die moderne Kunst Ihre große Blütezeit mit Henri Matisse, Toulouse-Lautrec, Braques, Apollinaire, Duchamp oder Cezanne. In diesen Jahren entsteht auch der charakteristischste Zug Picassos – die Stilpluralität. Pablo Picasso legte sich Zeit seines Lebens nie auf eine bestimmte Stilrichtung der Malerei fest, sondern wandelte sich stets und experimentierte mit den unterschiedlichsten Strömungen und Malstilen. Beeinflusst von Zeitgenossen, wie Cezanne, Braques oder Matisse, sind die frühen Werke von Jugendstil und Symbolismus geprägt, es wechseln sich „blaue“ und „rosa“ Periode ab. Später experimentiert Picasso auch mit Kubismus, Surrealismus und anderen abstrakten Strömungen. Erst in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts widmet sich Picasso dann eigenen Bild- und Themenvariationen, Plastiken und Skulpturen und auch der Grafik intensiver. Bereits 1932 erhält Picasso seine erste große Retrospektive, man stellt das gesamte künstlerische Schaffen Picasso also bereits in seinem 51. Lebensjahr in Zürich und Paris aus, 1939 folgt gar das Museum of Modern Art in New York! Im Jahr 1946, also im Alter von 65 Jahren erscheint dann die erste große Monographie über Picasso – üblich sind Bücher über Künstler eigentlich nach deren Ableben. Allein an den letzten Jahreszahlen lässt sich die Bedeutung Picassos, noch während seiner Lebzeit, ermessen!

 

„Les demoiselles d`Avignon“ und „Guernica“

Besonders die beiden größten und bedeutendsten Arbeiten zeigen die Bedeutung Picassos für die moderne Kunst beeindruckend. In beiden Werken bricht Picasso mit der traditionellen, naturalistischen, Bildsprache und setzt traditionelle Bildthemen, wie Sagen und Legenden auf faszinierende Weise modern und unverwechselbar um, ohne sich jedoch einer bestimmten Stilrichtung zu verpflichten.

© Pablo Picasso via Posterlounge.de

„Les demoiselles d`Avignon“ ist ein frühes Werk Picassos aus dem Jahr 1907. Picasso benötigte fast ein Jahr für das finale Bild, sowie über 800 Vorstudien, in denen er Komposition und Bildgegenstand immer wieder änderte. Die Endfassung von 1907 zeigt fünf Frauenakte, teilweise bekleidet in verschiedenen Positionen. Ein Vorhang umrahmt die Szene. Die Gesichter der Frauen sind maskenhaft dargestellt, die Körper geometrisch abstrahiert. Die Farbgebung der Frauenakte steht im klaren Kontrast zum blau gehaltenen Hintergrund. Der Vergleich zu den „Badenden“ von Matisse ist unbestreitbar. Picasso aber setzt mit diesem Bild ein Zeichen für die um 1910 entstehenden Avantgarden ein Zeichen.

Das Bild gilt als Schlüsselwerk der Moderne, vor allem deshalb, weil es mit seiner Bildsprache noch folgende Entwicklungen, wie Abstraktion im Kubismus, vorwegnimmt und andeutet. Kein Künstler vorher ging so weit an die Grenzen der traditionellen Bildsprache der Malerei und machte deren Konventionalität so deutlich.

© Pablo Picasso via Posterlounge.de

Während „Les desmoiselles d`Avignon“ vor allem mit der konventionellen Malweise bricht, besticht das zweite Schlüsselwerk Picassos – Guernica –  vor allem durch seine unerreichte Emotionalität, die jeder verstehen kann. Guernica ist ein Auftragswerk Picasso für den spanischen Pavillion anlässlich der Weltausstellung in Paris im Jahr 1937. Obwohl sich Picasso weitaus mehr Zeit lies, als es den Spaniern lieb war, und der spanische Pavillion erst um einiges später eröffnet werden konnte, erzielte das Bild die Wirkung, die Picasso wohl beabsichtigt hatte. Der spannendste Umstand ist wohl, dass wirklich jeder Mensch das Bild auf Anhieb verstehen kann. Picasso setzt im Werk eine nahezu universelle Bildsprache um, die zwar modern ist und bleibt, aber aus einer langen Tradition künstlerischer Bildthemen entstammt und vor allem von europäischer Seite nachvollzogen werden kann. Ob wohl keine eindeutige Interpretation möglich ist, zeigt Guernica auf unerreichte Weise den Schmerz des Krieges. Picasso entwarf das Bild anlässlich der Bombardierung des baskischen Dorfes Guernica 1937 durch die Deutschen. Innerhalb weniger Stunden wurde das Dorf dem Erdboden gleichgemacht und läutete so eine neue Art der Gewalt ein. Picasso nahm dieses Ereignis zum Anlass für das Bildthema. Wenn auch nur der Titel des Bildes einen Bezug zum Bild selbst herzustellen vermag, versteht doch jeder den Schmerz, der aus ihm spricht. Das Pferd im Todeskampf, das zerbrochene Schwert und die Frau, die ihr totes Kind im Arm hält – alles das ist universell verständlich, da das Bild vor allem über die Emotionalität den Sinn vermittelt. Trotz der Abstraktion – der Sinngehalt kann von jedem Betrachter angenommen und nachempfunden werden. Damit ist „Guernica“ wohl das bekannteste Bild Pablo Picassos und eines der bedeutendsten Werke überhaupt!

 

Der Exzentriker und seine Frauen

© Pablo Picasso via Posterlounge.de

Wie das Klischee schon sagt, sind große Künstler meist sehr eigen und exzentrisch. Auch Pablo Picasso macht an dieser Stelle keine Ausnahme. Der Künstler inszenierte sich Zeit seines Lebens selbst und schuf so ein charakteristisches Bild seiner selbst, das wohl auch heute kaum wegzudenken ist. Picasso war bekennender Macho und so ziert auch eine ansehnliche Zahl von Frauen und Musen den künstlerischen und privaten Weg des Malers. Fernande Olivier, Marie Therese, Dora Maar und viele mehr begleiteten über Jahre den sehr eigenen Mann Picasso und inspirierten ihn stets für neue Gemälde und Arbeiten. Aber erst in Jaqueline Roque fand Picasso seine Lebenspartnerin, mit der er die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte. Man sagt, Jaqueline habe solange stumm im Atelier des Malers gesessen bis dieser seine Arbeit beendet hatte. Und man sagt ebenfalls, dass Jaqueline Picasso mit „Meister“ ansprach, was sie – laut eigener Aussage Picassos – wohl zur perfekten Frau machte. Mehr lässt sich das Bild Picassos wohl nicht auf den Punkt bringen.

 

Kurz und gut:

Picasso ist einer der bedeutendsten, wenn nicht sogar der bedeutendste, Künstler des 20. Jahrhunderts. Wie kein anderer vermochte er es die Moderne und ihre Kunst zu prägen und mit konventionellen Stilen zu brechen. Aber auch eine ganz eigene Emotionalität liegt in den Arbeiten des Malers, die auch heute noch den Ruhm des großen Künstlers und Machos vermehren. Unzählige Bücher, Artikel und Ausstellungen beschäftigten sich mit diesem außergewöhnlichen Künstler und Mann. Die Faszination aber bleibt auch nach Jahrzehnten noch ungebrochen!

Ein Gedanke zu “Der berühmteste Maler des letzten Jahrhunderts: Pablo Picasso

  1. Zur Zeit seines Todes waren viele seiner Bilder in seinem eigenen Besitz, weil er den Kunstmarkt ferngehalten hatte, was er nicht zu verkaufen brauchte. Außerdem hatte Picasso eine beträchtliche Sammlung von Arbeiten anderer berühmter Künstler, einiger seiner Zeitgenossen, wie Henri Matisse, mit dem er Arbeiten ausgetauscht hatte. Nachdem Pablo Picasso bei seinem Tod kein Testament hinterließ, wurde die Erbschaftssteuer dem französischen Staat mittels seiner Arbeiten und andererer Teile seiner Sammlung abgeglichen. Diese Arbeiten bilden den Kern der riesigen represantiven Sammlung des Musée Picasso in Paris. 2003 gründeten Verwandte Picassos ein ihm gewidmetes Museum in seinem Geburtsort Málaga, das Museo Picasso Málaga.

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