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Anselm Reyle – Metal Star und Kitsch-Künstler

© Anselm Reyle via deichtorhallen.de

Was ist Kunst, und wo fängt Kitsch an? Was ist eigentlich Kitsch-Kunst? Und was ist undeutsche Kunst?

Der deutsche Kunst-Star Anselm Reyle vereint all die Begriffe und gibt Antworten auf genau jene Fragen. Dabei gilt er als Darling der Sammler, dessen Werke sich teilweise im Millionenbereich bewegen. Allerdings hat seine Kunst keine Ähnlichkeit mit der Jeff Koons`, die sich bekanntlicherweise auch am Rande des Kitschs (oder mittendrin) ansiedeln lässt und ebenfalls über eine Millionenschwere verfügt.

Reyles Kunst hat keine Narrative. Bewusst, wie Reyle immer wieder betont. Sie lässt keine Rückschlüsse auf den Schöpfer zu, sie soll allgemein verständlich sein – vom elitär Undurchdringlichen der Abstraktion distanziert Reyle sich rigoros. Er genießt eher das Spielerische und bleibt doch mit beiden Beinen auf dem Boden, wie es scheint. Ein bemerkenswerter Ansatz.

 

Reyle bezeichnet sich und seine Kunst eher als undeutsch. Deutsch bedeutet für ihn eine Lebensschwere, die er in seiner Kunst missen will. Er möchte keine Historie verarbeiten, er bevorzuge Neonfarben und nicht die grau-braune Ölmalerei. Reyle ist misstrauisch gegenüber Theorien und Dogmen, was sich wohl durch seine 68er Eltern entwickelt haben muss. Schon früh wurde der Künstler mit auf Demos genommen. So thematisiert Reyle mit seinen Arbeiten oftmals letztlich ihre Fragwürdigkeit, weshalb er sie glitzern und glänzen lässt. Dadurch ist er als Effekthascher verschrien, als Kitsch-Künstler. Doch seine Kritiker übersehen dabei, wie vielfältig seine verschiedenen Materialien sind und wie vielschichtig dabei die Kunst sein kann. Ironie ist sicherlich ein markanter Wesenszug seiner Werke.

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Auch als Designer war er schon tätig- für Dior. Er entwarf für eine Handtaschen Serie ein neonfarbenes Camouflagemuster und variierte das für Dior typische Flechtmuster. Oberflächen, Farben, Materialien sind ganz einfach sein Metier. Jedoch trennt er solche Aufträge strikt von seiner Kunst eben als Design.

 

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Reyles Kunst setzt sich aus seinen bekannten Streifenbildern, aus Skulpturen, Lichtinstallationen und Porzellankreationen zusammen. Eine doch sehr bunte Mischung. Doch genau das ist von ihm auch beabsichtigt. Dabei kam er zum Porzellan eher durch Zufall, als er in der Meissner Porzellanmanufaktur eine Kiste mit ungelungenen Resten entdeckte. Ein Haufen Müll, den er in seine Kunst einband und zu Kunst machte. Und genau das ist es wohl, was den Spaß an seiner Arbeit ausmacht. Die Arbeit mit den skurrilsten Materialien und die Inszenierung von Kontrasten. Dirk Luckow, Leiter der Deichtorhallen Hamburgs, wo Reyle derzeit eine Einzelausstellung gewidmet wird, nennt es „barockes Welttheater“. Treffend. Tag und Nacht werden förmlich inszeniert. Der Tag vollzieht sich in neonfarbenen und silbern-glänzenden Streifenbildern, die Reflexionen funkeln dabei. Getrennt wird der Tag wiederrum durch einen glänzenden Vorhang, und die Nacht wird erhellt durch Leuchtstoffröhren und LED-Lichter. Reyle wird deshalb auch gern als Metal Star gefeiert – treffend. Seine Kunst ist schreiend, dröhnend, laut. Und metallisch.

 

Doch das Besondere seiner Kunst ist für uns nicht nur das Abgefahrene, Verrückte und Laute – es ist sein Umgang mit Klischees. Ironie spielt dabei eine große Rolle. Reyle revitalisiert Klischees und wird dadurch zum Utopisten. Phantastisch- im wahrsten Sinne des Wortes.

 

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Die Ausstellung Mystic Silver ist noch bis zum 27. Januar 2013 in den Deichtorhallen Hamburgs zu sehen!

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