David Hockney via museenkoeln.info

© David Hockney via museenkoeln.info

David Hockney – Impressionist des Lebens & Maler am iPad

Wie einst die Impressionisten sitzt David Hockney bei Wind und Wetter in allen Jahreszeiten in der Natur, bepackt mit einem riesigen Strauß Pinseln. Um ihn herum wuseln seine Assistenten, die unzählige Leinwände aufbauen und den Künstler mit Rat und Tat zur Seite stehen. Nicht umsonst wird Hockney als einflussreichster britischer Künstler gehandelt, der sogar Damian Hirst oder Lucian Freud auf der Strecke lässt. Hockney ist bekannt für seine Yorkshire Landschaften, die dem Betrachter so lebendig erscheinen, als wäre man selbst dort gewesen.

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Allerdings ist es mehr als das, was seine Kunst ausmacht – seine Kunst ist das Sinnbild des Lebens. Straßen, die im Zickzack durch alle erdenklichen Farbnuancen des Grüns führen, seltsam verbogen sind, so als hätte eine immense Kraft dies bewerkstelligt.  Und schon beim anfänglichen Betrachten wird einem klar, welch Tiefe die eine Landschaft mit sich bringt und wie weit jener Flickenteppich aus Äckern und Wäldern ausgebreitet zu sein scheint.

David Hockney wurde 1937 geboren, studierte Malerei und zog daraufhin nach Kalifornien, wo er zahlreiche Stillleben von Blumen in Vasen und Swimmingpools kreierte. In der zeitgenössischen Kunst spielt er ganz vorn mit, er ist Bühnenbildner, Porträt- und Landschaftsmaler und fotografiert ebenfalls. In seine Heimat Yorkshire zog es ihn jahrelang nur zu Weihnachten, um seine Mutter zu besuchen. Als aber ein Freund im Sterben lag, blieb er länger und entdeckte durch Zufall den Reiz der Landschaft dort.

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Ganz profan wie du und ich saß Hockney im Auto und war fasziniert von der kurvigen Straße, die sich durch das Patchwork der Wälder und Felder zog. Er richtete ich ein Atelier ein und erkundete nun jahrelang die Gegend, die er in riesigen Gemälden festhielt. Zuerst auf einer Leinwand, dann auf dreien, später auf fünfzig (!) Leinwänden. Jedes Detail wurde plötzlich zum Zentrum eines Bildes, alles erschien riesengroß und wurde doch erst nebeneinander zu einem Bild. Hockney konnte teilweise das ganze Bild nur noch in einer extra angemieteten Fabrikhalle bestaunen (lassen).

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Dabei geht es Hockney nicht einmal um die Plätze selbst, die er malt. Es geht ihm um Veränderung, um Zeit, die eine immer größer werdende Rolle spielt. Deshalb sind auch die Bilder, die sich aus vielen Einzelbildern zusammensetzen, nicht perspektivisch genau – jedes Detail ist in einer ganz leicht anderen Perspektive gehalten. Sogar im eisigen Winter steht Hockney mit seiner Staffelei an Ort und Stelle, eine Hand zum Wärmen immer in der Hosentasche. Vielleicht sind deshalb auch seine Winterbilder solch ein Zeugnis des Lebens. Bäume, kahl, dürr, stehen in der schier trostlosen Landschaft und es scheint, als fassten sie nach ihrem Nachbarn. Und alle Linien sind sauber auf die Leinwand übertragen worden, trotz klirrender Kälte.

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Hockney ist Exzentriker und Lebemann, er genießt in vollen Zügen. Er isst, trinkt, raucht, denn seine Devise lautet: Du musst im Augenblick leben!

Und jene Maßlosigkeit kommt auch seiner Kunst zu gute.  Für ihn gibt es keine Objektivität, denn jeder, sei es auch am gleichen Ort, sehe immer etwas anderes – der eine Baum auf der Wiese sehe nicht nur für jeden anders aus, er bedeute auch für jeden etwas anderes. Denn jeder male auch seine Erinnerungen mit. Ein schöner Gedanke. Und wahr.

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Und auch Hockney entwickelt sich immer weiter, für und bei ihm gibt es keinen Stillstand. Trotz seiner 76 Jahre geht er mit der Zeit, und zwar in Riesenschritten. Früher überwog bei ihm das Malen – die Farbkleckse in seinem Atelier erzählen davon. Heute aber summen  dort zwölf Rechner, ihre Screens geben die Bilder Hockneys wieder. Und er  montiert nun Kameras auf seinen Jeep, fährt immer wieder an den gleichen Baumgruppen vorbei und fängt so die Stimmung, Jahreszeit und die Veränderung der Natur ein. Für Hockney ist das weder Videokunst noch Fotografie, es sei Malerei.

Hockney zeigte im letzten Jahr in London seine Show „A bigger picture“, die nun noch bis Anfang Februar in Köln zu sehen ist. Dabei ist der Künstler stolz, eben keine Retrospektive zu präsentieren, sondern neue Bilder. Und all jene Bilder sind mit Hockneys neuer Technik entstanden, die es erst seit einigen Jahren gibt. Hockney sagt von sich, er habe sie erfunden, die Technik, am iPad zu malen!

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Er benutzt die App „Brushes“, wählt Farbtöne und Pinselstärke aus und zeichnet mit einem speziellem Stift oder dem Finger seine Motive. Sicherlich ist die Technik mittlerweile weit verbreitet, und selbst Kinder oder unerfahrene Hobbymaler nutzen sie, aber noch vor wenigen Jahren war er sicherlich mit einer der ersten, wenn nicht sogar der erste. Und Hockney ist begeistert davon, schließlich verlaufen die Farben nicht, er muss nicht warten, bis Farbschicht Nummer eins getrocknet ist. Ölfarbe kann im schummrigen Licht der Dämmerung grau erscheinen, das iPad fängt das Licht und die Farben so ein, wie Hockney sie sieht.

Angst vor unerlaubten Kopien habe er nicht, denn erst mit dem Ausdruck wird das Bild zu einem Original. Erst seine Signatur mache es dazu. So als würde er eine Freigabe unterschreiben. Er kreiert mit dem Druck noch seine Kunst nach. So druckt er das Motiv so lange aus, bis die gewünschte Farbnuance erreicht ist. Hockney nutzt dafür einen Spezialdrucker, der bis zu fünf Meter lange Papierbahnen druckt, die dann in der Ausstellung zu bewundern sind. A bigger picture doesn`t exist.

 

David Hockney – A bigger picture
Bis 3. Februar 2013
Museum Ludwig, Köln

http://www.museum-ludwig.de

 

2 Gedanken zu “David Hockney – Impressionist des Lebens & Maler am iPad

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