Norbert Miguletz_Schirn Halle Frankfurt 2013

© Norbert Miguletz_Schirn Halle Frankfurt 2013

Die Kunst im Alter – eine Ausstellung in Frankfurt von Manet bis Kippenberger

Im Alter werden die Leute wunderlich, sagt man so oft. Der Begriff „alt“ wird dabei oft unfairerweise mit dumm, langsam, hässlich und eben “nicht mehr von dieser Welt“ gleichgesetzt, das Küken weiß eben immer mehr als die Henne. Alt muss aber nicht zwangsläufig negativ besetzt sein, alt kann auch erfahrend, wissend, in sich ruhend bedeuten. Das zeigt derzeit auch eine Ausstellung in Frankfurt, die die letzten Werke verschiedener Künstler in den Mittelpunkt stellt.

© Norbert Miguletz_Schirn Kunsthalle Frankfurt 2013

 

In der Schirn Halle in Frankfurt sind seit einigen Tagen mehr als 100 Bilder von 14 verschiedenen hochkarätigen Künstlern on Display, die alle eines gemein haben: Sie entstanden alle in den letzten Lebensjahren des jeweiligen Malers oder der jeweiligen Malerin. Genau dies ist auch das Besondere an dem Thema, denn noch nie konnte man aus diesem Blickwinke auf den jeweiligen Künstler schauen. Interessant ist sicherlich auch das Arrangement der Bilder, die motivhaft einander gegenüberstehen.

© Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Ernst und Hildy Beyeler

Die riesigen Seerosen-Bilder eines Claude Monet stehen beispielsweise den Blumenstilleben von Manet gegenüber, die klein, still, dunkel gehalten sind.

Manet hatte die Blumen von Freunden aufgrund seiner schweren Krankheit bekommen und daraufhin gemalt.

Sie sind also auch Sinnbild seines in der Blüte sich dem Ende neigenden Lebens, währenddessen Monets Seerosen sich wahrhaftig zu den mit berühmtesten Motiven des Malers mausern konnten.

 

© Privatsammlung_Schirn halle Frankfurt 2013

 

Hier spiegelt sich wohl der zweite Gesichtspunkt der Ausstellung, der auf alle Künstler zuzutreffen scheint. Mit dem Wandel des Alters oder Älterwerdens wollten wohl die meisten nochmals etwas Großes, Eindrucksvolles schaffen, um berühmt zu werden. Viele Künstler erfinden sich neu, wie es auch Monet mit seinen Seerosen tat. Besonders bei ihm ging wohl die (unbewusste?) Rechnung auf. Andy Warhol schuf in seinen späteren Jahren „The Last Supper (Camel/57)“, woraufhin er einen Zyklus begann. Er wusste nicht, dass er ihn nicht mehr fertigstellen konnte, starb er vorher an den Folgen einer Operation unvorhergesehen. Doch die Absicht, noch etwas Monumentales, Erinnerungswürdiges zu erschaffen, ist deutlich.

Einige Künstler entdecken wohl auch ihre humorvolle Seite, schaffen Persiflagen und wenden sich von ihrer einstigen ernsten Kunst ab. Vielleicht hängt dies wiederrum mit der sich verändernden Sichtweise auf das Leben und auf sich selbst zusammen. Interessant ist, dass wohl jeder, ob Künstler oder nicht, einen solchen Wandel durchmacht. Vielleicht kommt man dann kurz vor Schluss auch wahrhaftig bei sich an und äußert dies durch sein Tun, seine Einstellung oder eben durch seine Kunst.

© Norbert Miguletz_Schirn Kunsthalle Frankfurt 2013

 

Oft scheint man auch erst im Alter sein Interesse für Reisen und ferne Länder zu entdecken, geschuldet sicher auch durch Arbeit, Familienpflichten und fehlende Zeit (oder Geld), die uns das Leben lang begleiten. Doch mit dem Rentendasein schließt man sich dann doch der Wandergruppe an, fliegt durch Europa, entdeckt die Welt und schwimmt im Sportverein. Alter bedeutet eben nicht (nur) Verlangsamung. Wen wundert es dann, dass die Malerin Georgia O’Keeffe ihre Faszination für das Fliegen entdeckte, das ihr einen ganz anderen Blick auf die Welt bot. Ihre Schäfchenteppiche aus Wolken sind das Resultat.

 

Eine ganz andere Ausstellung, die uns zum Diskutieren anregt und dazu, darüber nachzudenken, was man vom Leben eigentlich will.

LETZTE BILDER. VON MANET BIS KIPPENBERGER
bis 2. Juni 2013
Schirn Halle Frankfurt/Main

 

 

 

 

 

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