Édouard Manet_The Garden of Pere Lathuille via posterlounge.de

© Édouard Manet_The Garden of Pere Lathuille via posterlounge.de

Manets Porträtmalerei – Momente, die ewig dauern

Der Impressionist Édouard Manet (1832-1883) ist das, was man im Filmbereich einen Kassenschlager nennen würde. Seine Werke, wahre Blockbuster, werden immer wieder gern und oft ausgestellt, ein wahrhaftiger Zuschauermagnet. Seit einigen Tagen sind ungefähr 50 seiner Porträts in der Londoner Royal Academy zu sehen, eine Show reich an Publicity und Publikum. Genau darauf hat sich, laut FAZ, die Royal Academy auch eingestellt und ihre Öffnungszeiten freitags und samstags bis 23.00Uhr angepasst, sonntags sind in den Abendstunden exklusive Besichtigungen möglich, inbegriffen sind dabei weniger Menschengewühl und ein Getränk, allerdings zum doppelten Eintrittspreis.

 

© Édouard Manet - Frühstück im Grünen via posterlounge.de

Auch die Zeitungen sind voll von der neuen Ausstellung, zählt Manet doch zu einem der Publikumslieblinge schlechthin. Alle großen Tageszeitungen Englands berichten darüber, auch in Deutschland macht die Show so die Runde. Manets Bilder des alltäglichen Lebens, die er mir Historienmalerei vereinte, seine Porträts, die nur sehr schwer von der Genremalerei zu trennen sind, werden immer wieder genau unter die Lupe genommen. Denn letztlich schaffte er es, damit aus jedem einen ‚jemand’ zu machen und erfasste exakt und mit Emotion pur die Eigenarten des Lebens.

 

Manet gilt als Vater des Impressionismus, er war einer der wichtigsten Wegbereiter der Kunstrichtung. Und das, obwohl er nie den impressionistischen Stil in Gänze übernahm. Doch der Maler kreierte das Alltägliche immer in einem besonderen Licht. Die Anerkennung für sein Schaffen kam erst spät- vielmehr standen Skandale für Bilder, wie das Frühstück im Freien im Vordergrund. Doch Manets Präzision, mit der er die Emotionen der Gesichter seiner Modelle einfing, oftmals Momentaufnahmen in allen Details nachzeichnet, ist atemberaubend.

© Édouard Manet_ Frau und Mädchen am Gare St Lazare via posterlounge.de

 

Eines meiner Lieblingsbilder von Manet ist das Porträt Gare St. Lazare, indem eine Frau von ihrem Buch, am Bahnhof sitzend, aufsieht, In ihrem Gesicht spiegelt sich milde Gleichgültigkeit. Neben ihr beobachtet ein kleines Mädchen die große dampfende Lokomotive. Beide sind, sagen wir, nicht gerade staub- und bahnhofstauglich gekleidet. Beide tragen ihre Sonntagskleider, und es ist für den Betrachter nicht ganz klar, ob die Frau die Mutter des Mädchens oder dessen Kinderfrau ist. Ihre Posen sind locker und ungestellt; jeder, der Paris kennt, erkennt die Stadt in den wenigen Details wieder, ein realistisches Stück Leben gewissermaßen. Dabei entstand das Bild im Studio Manets, Victorine Meurent stand dafür Modell. Aufschluss darüber geben die zahlreichen kleinen Details der beiden Protagonistinnen, die niemals aus der Erinnerung oder von einer schnellen Skizze entstanden sein konnten. Und doch mutet das Werk und mit ihm zahleiche andere wir eine schnelle Aufnahme des einen Moments an, fast wie ein Foto.

 

© Édouard Manet_ Interieur in Arcachon via posterlounge.de

Manet arbeitete immer mit Modellen, er konnte nichts außerhalb dessen machen, wie er selbst sagte. Dabei spielten seine Familie oder Freunde meist die Hauptrolle. Porträts waren seine Leidenschaft, fast alle seiner Werke sind der Porträtmalerei zuzuordnen. Deswegen hat man sicherlich auch in London nun den Aspekt Manets näher beleuchten wollen und die Ausstellung Manet: Portraying Life inszeniert.

Sie beginnt mit Manet als Familienmann, der Eröffnungsraum der Ausstellung ist als Familienalbum konzipiert. Man sieht Manets Frau Suzanne am Klavier, die Katze auf ihrem Schoß. Sein Sohn Léon ist  ebenso im Saal wie auch das Interior in Arcachon, wo seine Frau gedankenverloren auf das Meer blickt. Dies muss ein Ausflug weit weg von der Großstadt Paris gewesen sein.

 

© Édouard Manet_Berthe Morisot via posterlounge.de

Auch sein wohl traurigstes Werk ist in der Ausstellung on display – seine Schwägerin Berthe Morisot bei der Beerdigung ihres Vaters – die Wangen sind eingefallen, die Augen voller Sorgen.

 

Manet arbeitete mit einer Palette spezieller Farben, Mauve, Silber, Pfingstrosenrot und Kobaltblau. An windigen Tagen kann man scheinbar die Brise beim Betrachten der Bilder mitfühlen- die gebauschten Röcke flattern im Wind. All dies fängt die Ausstellung gut ein. Die größten Kritikpunkte, sei es in der FAZ oder im Guardian, sind aber die übergroßzügige Anordnung der Bilder sowie deren Auswahl, die Manet von seiner schwächsten Seite zeige. Ein wenig eintönig und sehr enttäuschend ist das Fazit des Guardians, des Telegraphs und auch der FAZ, die wohl alle Manet gern als das, was er wirklich war, ausgestellt gesehen hätten, in seiner Gänze als Mensch und Maler.  Für Manet-Liebhaber bleibt die Sammlung aber allemal ein Muss!

 

 

Manet: Portraying Life

bis 14. April 2013
in den Main Galleries der Royal Academy, London


 

 

 

 

 

 

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