Otto Dix via uni-leipzig.de

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Otto Dix – Das Auge der Welt

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich mich in die Kunst von Otto Dix verliebte. Bei einem Besuch als Kind in der Galerie der Neuen Meister in Dresden entdeckte ich das berühmte Werk „Der Krieg“. Ich kannte es bereits aus meinen Geschichtslehrbüchern. Die kleine Schwarz-Weiß-Abbildung von Seite 213 war jedoch nichts im Vergleich zu dem ausgestellten Triptychon. Selten hat mich ein Gemälde bisher so stark gefesselt, so in seinen Bann gerissen. Ich verbrachte den restlichen Besuch des Museums auf einer Holzbank, den Blick fest auf Dix‘ Meisterwerk geheftet. Wie sich bei dem Besuch der Austellung „Neue Sachlichkeit in Dresden“ herausstellte, hatten alle Gemälde von Dix eine derartige Wirkung auf mich.

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1891 in Gera geboren, entwickelte Otto Dix schon als Kind eine Leidenschaft für die Kunst. An der Dresdner Kunstgewebeschule vertiefte er seine Ausbildung und setzte sich bis zum Beginn des 1. Weltkriegs stark mit dem Expressionismus auseinander. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg nach Dresden, entwickelte Dix einen neuartigen, sozialkritischen Realismus – auch andere Künstler sollten ihm bald auf dem Weg des sogenannten Verismus folgen. Ab 1924 bis zur Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, entwickelte sich Dix zu einer herausragenden Figur der Gegenwartskunst.

 

Neue Sachlichkeit: unverblümt, unmissverständlich und unvergesslich

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Der Begriff der Neuen Sachlichkeit beschreibt eine Strömung in den 1920er Jahren. Viele Künstler hatten die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren. Nach dem Krieg versuchten sie ihre Erlebnisse künstlerisch zu verarbeiten. Viele von ihnen realisierten bald, dass der vorangegangene Expressionismus nicht mehr ausreichte, um dem Erlebten Ausdruck zu verleihen. Die freie und unbegrenzte Wahl von gefühlten Farben und Formen eignete sich nicht, um die gegenwärtigen Umstände darzustellen. Daher rückten Künstler wie Otto Dix, Georg Grosz und Rudolf Schlichter das objektiv Sichtbare wieder in den Vordergrund. Mithilfe einer kühlen, unverblümten Betrachtungsweise, wurde das visuell Wahrzunehmende dargestellt. Die Werke der Künstler zeichnen sich durch klare Konturen, dominante Farben sowie nur wenige Licht- und Schatteneffekte aus. Verbreitet waren vor allem bewusst unbeschönigte Darstellungen der Gesellschaft. Ein berühmtes Beispiel hierzu ist Otto Dix‘ Triptychon „Großstadt“ (1928). Vom Kriegskrüppel, über Prostituierte, hinzu Arbeiterfrauen und der allgemeinen Kluft zwischen Arm und Reich wurde alles auf eine etwas bizarre Art festgehalten. Einige dieser Werke wirken beinah wie Karikaturen. Durch ihre Bilder gelang es den Künstlern, gesellschaftliche Missstände zu verdeutlichen. Die entstandene Strömung erhielt 1925 bei einer Ausstellung in Mannheim ihren Namen: Neue Sachlichkeit. Zentren der Neuen Sachlichkeit waren hauptsächlich Dresden und Berlin. Die neu entstandene Strömung entwickelte sich zu keiner festen Gruppe wie etwa „Die Brücke“ oder „Der Blaue Reiter“. Allerdings waren die meisten Künstler stark vom ersten Weltkrieg, ihren eigenen Kriegserfahrungen und den gesellschaftlichen Umständen beeinflusst. Die Künstler der Neuen Sachlichkeit schufen eine neue Ästhetik, in dem sie die Gesellschaft der Weimarer Republik auf eine nahezu karikative Art kritisch darstellten.

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Das Auge der Welt – Otto Dix und die Neue Sachlichkeit

 

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„Das musste ich alles ganz genau erleben… Ich bin so ein Realist, wissen Sie, dass ich alles mit eigenen Augen sehen muss…“ (Otto Dix 1963)


Seit dem 10. November 2012 kann man im Stuttgarter Kunstmuseum die Welt des Otto Dix genauer erkunden. Dix hatte verschiedene Schaffensphasen, die Ausstellung selbst befasst sich mit seinen Werken als Künstler der Neuen Sachlichkeit. Sie trägt den Namen „Das Auge der Welt- Otto Dix und die Neue Sachlichkeit“ und kann noch bis zum 7. April 2013 besucht werden. So wie man mit den Augen die Realität wahrnimmt, so echt und unbeschönigt vermittelt sie auch Otto Dix durch seine Werke. Dix sagte einmal, dass „der Maler das Auge der Welt sein muss“. Mit ihren Werken gelang es vor allem den Künstlern der Neuen Sachlichkeit dies umzusetzen. In der Stuttgarter Ausstellung liegt der Schwerpunkt auf einem Vergleich zwischen Otto Dix und Künstlern wie Christian Schad, George Grosz, Rudolf Schlichter, Franz Radziwill, Werner Peiner, Georg Scholz und Franz Lenk. Insgesamt werden in der Ausstellung 120 Werke präsentiert. Dabei geht es um die Frage, was genau die Neue Sachlichkeit ist und was diese Strömung auszeichnet. Denn seit seiner Entstehung wurde der Begriff unterschiedlich interpretiert und verwendet. Otto Dix wird heute häufig als einer der Hauptvertreter der Strömung genannt. In seinen Gemälden lassen sich sowohl klassizistische als auch gesellschaftskritische Tendenzen finden. Neben der Ausstellung finden auch regelmäßig Vorlesungen und Seminare zum Thema statt.

Alle Otto Dix Liebhaber, die einmal gerne selber ein Bild besitzen möchten, können sich unter Umständen mit hochwertigen Reproduktionen zufrieden geben. Eine Auswahl von Kunstdrucken auf Leinwand findet ihr hier.

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