Otto Mueller via cool-arts.com

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Otto Mueller – ein Künstler mit Abgründen und Überraschungen

© Otto Mueller via Posterlounge.de

Expressionismus ist für viele der Inbegriff einer lauten, schreienden und auch bunten Kunstrichtung.  Nicht so in der Kunst des expressionistischen Malers und Kunstprofessors Otto Mueller.

Der gelernte Lithograf war sich seines Stils sehr sicher und schuf eine eher leise, akzentuierte Kunst. Er war weitaus älter als alle anderen Mitglieder der Brücke, als er 1910 der Vereinigung beitrat. Letztlich wurde er in die Gruppe berufen, die durch seine 1903 entstandene lebensgroße Darstellung der modernen Maschka als Lucretia auf ihn aufmerksam wurde.

Ernst-Ludwig Kirchner bezeichnete das Bild als Cranachsche Venus, woraufhin er selbst anfing, sich mit Cranach und dem Venus-Motiv näher zu beschäftigen. Muellers Maschka wurde unter anderem zum Sinnbild gegen das Establishment und seine Eintrittskarte zur bekannten Brücke.

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Mit seiner Vorliebe für warme zurückhaltende Töne stand er eher im Schatten der großen Expressionisten, die sich an knalligen Tönen orientierten und ihre Botschaft förmlich herausschrien. Otto Mueller (1874-1930) inspirierten mehr die Werke der Alten Meister, wie Lukas Cranach d.Ä. oder sogar die Kunst der Alten Ägypter. Eine Zeit lang malte Mueller mit Leimfarben auf einem Jutestoff, genannt Rupfen, der für außergewöhnliche Effekte sorgt und arbeitete meist mit nur wenigen Grundfarben. Behutsamkeit ist sicher eine seiner wichtigsten Charakteristiken. Bekannt wurde er am weitesten durch seine Zigeuner-Motive.

Der Neffe Gerhard Hauptmanns, der besonders Frauenakte in der Natur darstellte und dessen größte Stileigenheit die überlangen Proportionen der schlanken und oft sehr jungen Mädchen darstellte,  sorgte wohl schon zu Lebzeiten immer für Überraschungen. Auch Skandale begleiteten seine Künstlerkarriere, geschuldet durch die Darstellung der entblößten Scham, Ganzkörperakte und durch zahlreiche Liebschaften auch zu sehr jungen Mädchen.

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Heute wird er auch als künstlerischer Zwillingsbruder Wilhelm Lehmbrucks gehandelt, der sich wiederrum am Augenmerk Muellers überlanger Gliedmaßen orientierte. Im Gegensatz zu Lehmbruck wurden Muellers Frauen jedoch selbstbewusst und nicht in sich gekehrt gezeigt. Lehmbruck dagegen schuf Ikonen der Innerlichkeit mit melancholischer Anmut – zwei Künstler also, die sich reiben und doch ergänzen.

Kein Wunder also, dass Muellers Werke derzeit in einer Ausstellung in Duisburg Lehmbrucks Antworten gegenübergestellt werden. Doch noch mehr gibt es bei Mueller zu entdecken. Er schuf sogenannte Doppelbilder, die erst kürzlich mehr oder minder durch Zufall entdeckt worden.

© Otto Mueller, Bilder via design-issue.de & wikipedia.org

 

Beispielsweise das berühmte Paar am Tisch enthält auf dessen Rückseite, entdeckt nach der Entfernung der Schutzfolie, noch ein Gemälde: Der Mord, dessen Motiv auch in Muellers Grafiken präsent ist, ein tanzendes nacktes Paar in verschlungener Pose. So wie seine Natur-Akte eine Leichtigkeit ausstrahlen, kann man hier Muellers abgründige Seite der Weiblichkeitsdarstellung entdecken. Zudem ist das Bild ein wahrer Museumsschatz- der Mord auf der Rückseite ist kopfüber gehalten – das Bild wird nun zum Umkreisen auf einem Gestell in der Ausstellung im Lehmbruck Museum Duisburg Einfach.Eigen.Einzig. gezeigt.

Muellers Kunst erzählt so noch eine ganz andere Geschichte zur Zweiseitigkeit der Liebe, ein gekonnter Schachzug. Eine absolut kuriose Überraschung und für DailyArtDesign ein bemerkenswerter Künstler, bei dem sich Abgründe auftun. Wir sind überwältigt. Auf nach Duisburg!

 

Die Ausstellung Lehmbruck Museum Duisburg Einfach.Eigen.Einzig hat noch bis Mitte Februar ihre Pforten geöffnet!

 

Claudia Böttcher gefällt dieser Artikel

2 Gedanken zu “Otto Mueller – ein Künstler mit Abgründen und Überraschungen

  1. Finden wir hier auch sehr schade… Und ich würde sehr gern sehen, wie Muellers 2in1-Bilder so wirken… Aber vielleicht wandert ja auch mal eine Ausstellung in Breiten, die schneller erfahrbar sind!

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