Roy Lichtenstein via Posterlounge.de

© Roy Lichtenstein via Posterlounge.de

Pop Art: ein Geben und Nehmen zwischen Kunst und Design

Kunst und Design als gleichberechtigte Partner? Die Frage, die ein wenig an die Frau-Mann- & Mars-Venusdiskussionen erinnert, wird derzeit in einer absolut sehenswerten Ausstellung in Weil am Rhein beantwortet.  Das Vitra Museum zeigt mit ihrer Ausstellung Pop Art Design das Miteinander von Kunst und Design sowie die gegenseitige Inspiration und das Ineinanderfließen der Genregrenzen, die sowieso eher schwammig sind.

 

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Besonders beeindruckend dabei ist, dass nicht nur Designobjekte und Kunstgegenstände gezeigt werden, sondern dass diese in ihre Beziehung zueinander gesetzt werden. Sie scheinen tatsächlich zu interagieren. Und so wird dem flanierenden Besucher spielend deutlich, dass Designer, wie Charles und Ray Eames die Kunst mit ihren Objekten inspirierten und wie die Kunst, eben jene Pop Art, die Designer in ihrer Arbeit Impulse verliehen. Auch ein Gebrauchsgegenstand, wie das Nelson Sofa „Marshmallow“ kann, soll und muss als Kunstwerk betrachtet werden. Und aus diesem Blickwinkel heraus wird klar, weshalb das „Marshmallow“ Sofa zusammen mit Roy Lichtensteins Gemälde „Yellow Brushstroke“ in der Ausstellung präsentiert wird. Nicht nur farblich lehnen sich beide aneinander an, man erkennt die kleinen Punkte im Gemälde auch im Vinylkissen der Couch wieder. Der perfekte Dialog, von dem sich mancher Mann und manche Frau ein Beispiel nehmen könnten, um die Klischee-Diskussion um Mann und Frau wieder aufzunehmen.

 

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Alltagsgegenstände in der Kunst und noch vielmehr als Kunst? Genau das was die Pop Art Strömung verinnerlichte, greift nun auch die Ausstellung wieder auf. Andy Warhol schaffte es, aus Banalitäten Kunstwerke zu machen. Konservendosen und Coca Cola – Flaschen übernahm er in seine Kunst – der Beginn einer wundervollen Freundschaft zwischen dem Kunstwerk und dem Alltagsgegenstand.

Die Kunst floss wiederrum ins Design zurück – 1973 kam ein Hocker auf dem Markt, der der Dosensuppe von Campbell nachempfunden wurde. So schließt sich der Kreis, der bis heute weitergedreht wird. Damals noch eine Kuriosität, heute schon eine Normalität im Alltag. Denn Taschen aus Trinkbechern oder Sitzwürfel aus Verpackungen sind keine Seltenheit mehr. Was als Pop Art sein Wurzeln hatte, geht als Alltagsgegenstand weiter, über den sich heute niemand mehr wundert. Und wieder verschmelzen Kunst und Design, Design und Alltag.

 

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Designobjekte, die in die Malerei integriert werden – auch ein Part der Ausstellung und ein Teil von Pop Art, der jeden Bilderrahmen sprengt und so schon an dreidimensionaler Kunst mündet.

Die Badenixe von Raisse zeigt nicht nur eine junge Frau am Strand, sondern integriert den Ball und Sonnenschirm, die am Bild als Realobjekte angebracht sind.

Das Lippensofa von Bocca vom legendären studio 65 wurde von Salvador Dali beeinflusst und ist den Lippen der Schauspielerin Mae West nachempfunden. Kunst und Design gehen Hand in Hand.

 

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Das was die Ausstellung schier meisterhaft zutage bringt, sind die Wurzeln der Pop Art-Ära. Man verliert sich nicht in abstrakten Formen oder Lichtinstallationen, sondern entdeckt fast wie ein kleines Kind die Welt zwischen Kunst und Design. Pop Art nahm der Kunst ihren Mythos und brach aus der Bürgerlichkeit des  künstlerischen 20. Jahrhunderts aus. Pop Art steht gegen die  Entfesselung des Konsums und wendete sich gegen die Illusionen, die durch Werbung entstehen. Zum ersten Mal wurde Pop Art als solche 1962 auf einer Konferenz in New York benannt – DailyArtDesign gratuliert zum diesjährigen 50. Jubiläum!

 

Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Februar 2013 im Vintra Museum in Weil am Rhein zu sehen!

 

 

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