Robert Longo

© Robert Longo

Robert Longos ‚Bilder über Bilder‘

Als Kategorie für unseren heutigen Blogpost haben wir Kunst gewählt. Dabei wissen wir selbstverständlich, dass Robert Longo auch Fotograf ist und bemerkenswerte Fotos macht. Aber noch viel bemerkenswerter sind Longos Zeichnungen, die er mit Kohle extrem realitätsnah zu Papier bringt. Auf den ersten Blick sieht man keinen Unterschied – grandios. Seine fotorealistischen Kohlezeichnungen zeigen in riesigen Formaten alle Facetten der Welt. Schöne Kathedralen, monströse Haifische, angsteinflößende Atompilze treffen uns als Betrachter mit voller Wucht, sie spiegeln unsere Sehnsüchte, aber auch unsere Ängste. Und genau das macht für uns Longos Kunst aus.

© Robert Longo via rfc.museum.com

Berühmt wurde Longo durch die spektakuläre Serie „Men in the Cities“, in der er Ende der Siebziger lebensgroße Bilder von tanzenden und seltsam verrenkten Menschen, Männern in schmalen Anzügen und Frauen im kleinen Schwarzen, zeigte. Die ekstatisch Tanzenden erinnern damals wie heute nicht unbedingt an lustvolle Tänzer, sondern eher an die Schmerzensschreie eines Edvard Munch oder die vom Schmerz gezeichneten Figuren des Francis Bacon. Auch interessant dabei ist sicher, dass eines der Bilder aus dieser Serie auch im Film „American Psycho“ vorkommt, nämlich im Apartment des Mörders. So scheinen die Tänzer eine Antwort auf den perversen Mörder zu sein.

 

© Robert Longo via kunstundfilm.de

Kunst ist für Longo, dessen neue Ausstellung ab 25. Januar 2013 bis 15. März 2013 in Nürnberg zu sehen sein wird, ein Akt der Verlangsamung, die Konservierung eines Moments. Longo, der übrigens mit der deutschen Schauspielerin Barbara Sukowa verheiratet ist und mit den drei Söhnen und seiner Frau in New York lebt, hat Kunst mit Schwerpunkt der Bildhauerei studiert, und ist als Zeichner, Fotograf und als Regisseur tätig. Musikvideos mit REM und ein Cyberpunkfilm mit Keanu Reeves gehören zu seinem Portfolio. Seine Zeichnungen sind meist Bilder über Bilder – Longo übersetzt die Fotografien in Zeichnungen, die auf den ersten Blick wie Fotos wirken – er schließt den Kreis der Künste durch seine ästhetische Rückkopplung. Dabei umschließen seine Weke eine unglaubliche Dynamik. Gerade in seinen „Men in the Cities“ schleudert er schier seine Protagnisten umher, inspiriert von Fassbinders Film „Der amerikanische Soldat“. In dessen Schlussszene sterben zwei Soldaten, die Arme hochreißend und sich weit nach hinten beugend durch den Schuss. Diese Choreographie des Todes war der Anlass und die Inspiration für Longos Arbeit. Bemerkenswert, wie seine Kunst genau dies auch auszusagen scheint, und wie passend, dass eines der Bilderserie in „American Psycho“ seinen Auftritt hat.

© Robert Longo via robertlongo.com

 

Robert Longo schafft es, durch seine Arbeiten im Gespräch und im Haifischbecken des Kunstmarktes oben auf zu bleiben. Er sagt über sich selbst:

Ich finde es interessant zu beobachten, dass ich meine besten Arbeiten heute mache. Erst findet man seine Sprache, und dann muss man auch etwas zu sagen haben. Und das dauert eine Weile.

Longo arbeitet nur in Schwarzweiß, was zum einen laut seiner eigenen Analyse damit zusammenhänge, dass er erst mit 30 Jahren sein allererstes Buch gelesen habe, vorher alle Informationen aus dem Fernsehen bekam. So dachte er, die Wahrheit sei Schwarzweiß.  Am 7. Januar 2013 feierte Longo seinen 60.Geburtstag.

© Robert Longo via artschoolvets.com

Robert Longo – Black and White

25.1.2013 – 15.3.2013

Galerie Fluegel-Roncak
Obere Wörthstraße 12
90403 Nürnberg

www.fluegel-roncak.com

 

 

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