Astrid Kopp

Steckbrief Bücherregal – das wohl persönlichste Möbelstück zuhause

Auch in den Zeiten von Kindle & Co. sind Bücher nach wie vor wichtig. Schon das Gefühl, den Lieblingsroman gebunden als Buch in der Hand zu halten, ist ein ganz anderes als es auf einem tablet durchzublättern. Und was erzählt es als die Geschichte selbst nicht alles? Die abgegriffenen, zerfledderten Exemplare sind auf den ersten Blick die unsauberen, unschönen. Doch besonders sie geben so viel über den Menschen wieder, der sie besitzt. Er scheint das Buch oft in der Hand gehabt zu haben, es zu mögen und es immer wieder lesenswert zu finden. Vielleicht ist es auch durch die Familie gewandert, empfohlen von der Schwester, weitergegeben an die Mutter bis es im Freundeskreis die Runde machte. Zuletzt ist das Lieblingsbuch dann wieder zuhause angekommen, um an einem ruhigen Sonntag Nachmittag den Tee zu versüßen. Und nun steht es bei all seinen anderen Buchkameraden, bis es wieder zum Leseeinsatz muss.

© interluebke.com

Wenn ich einen Menschen zum allerersten Mal besuche, fällt mein Blick unglaublich schnell in dessen Bücherregal. Allein die Sammlung selbst (wenn vorhanden; wenn nicht, ist dies sicher auch eine Aussage) sagt schon mehr über ihn als er mir erzählen könnte. Harry Potter – ach, ihn hatte es damit wohl auch erwischt; Reiseführer von Barcelona, Rom, Paris – wunderbar, ein Städtebummler; Biographien von Romy Schneider, Angelika Domröse, John Lennon – interessant; Bildbände von Mucha, Klimt und Schiele – wunderbar! Dazu kommen Autoren, Genres – und der Bücherzustand, welche der Bücher sind noch nie berührt worden, welche sind die „gelesensten“und welche Exemplare sind an welcher Stelle angeordnet – ein Meer an Informationen über den Besitzer.

Für den ersten Blick reichen wohl schon zwei bis drei Reihen. Auf Augenhöhe schmücken wir uns meist mit den „klugen“ Werken der Weltliteratur, mit den Büchern in Augenhöhe vermarkten wir uns sozusagen, ohne dass es uns vielleicht sogar bewusst ist. Genau dort finden sich meist die Werke, die noch vom Studium herrühren, als Jürgen Habermas oder Hannah Ahrendt eine größere Rolle spielten als sie es vielleicht heute tun. Gern begegnet man dort auch Ulysses, zu dem man, sagen wir, vielleicht im realen Leben nicht unbedingt greifen würde. Dort findet man meist das, was auch gern gefunden werden soll, was man uns gern zeigen mag.  In den unteren Fächern landet meist, was aktuell noch auf dem Nachttisch lag. Ebenso interessant wie die Angeberreihen, sieht man doch so, was vielleicht aus dem Träumer und Philosophen der Studienzeit geworden ist.

 

© Kirsti Lenehan

Selbstverständlich handelt es sich bei unseren zarten Analyseversuchen um theoretische Überlegungen, Ausnahmen bestätigen die Theorieregel. Nicht zu vergessen sind auch die Familien mit Kleinkindern, die gerade im und nach dem ersten Lebensjahr die unteren Fächer des Regals frei räumen müssen. Zum einen brauchen Spielzeug und Kinderbücher selbst Platz, zum anderen müssen die bücherliebenden Eltern ihr wertvolles Gut vor den Ausräum-, Mal- und Zerreißattacken des Kindes schützen.

 

© atelier010.nl

Ähnlich geben auch die Regale, in dem die Buchschätze wohnen, Aufschluss über denjenigen, der sie besitzt. Der Klassiker ist sicherlich Ikeas Billy – funktional, schlicht und äußerst preiswert. Schätzungsweise ist es in jedem zweiten Wohnzimmer zu finden, in meinem und dem von Freunden jedenfalls auch. Meist kommt Billy auch in Zeiten von persönlicher Geldknappheit ins eigene Heim, eben weil es so vielseitig und dabei so günstig ist. Später wird dann gern zu den massiveren Gesellen aufgerüstet oder zu einem Designerteil gegriffen. Beliebt dabei sind besonders Regalteile zum An-die-Wand-hängen beispielsweise in Form der USA oder auch Aufstellregale mit integrierter Sitzmöglichkeit. Relaxt aber eben mit dem besonderen i-Tüpfelchen, erstklassig.

 

© guenstigemoebelonline.de

Wunderbar eignen sich Regale ohne Rückenwand auch als Raumteiler, denn sie nehmen durch ihre Durchlässigkeit weder die Luft zum Atmen noch viel Platz weg – sie schenken uns Stauraum und zweierlei Räumlichkeit in einem Zimmer.

 

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Würden alle Kindle der Welt nun die Bücherregale überflüssig machen, würde uns der beste Steckbrief über uns selbst und uns als Familie fehlen. Die Designer und Hersteller jener Möbelstücke gehen aber nicht davon aus- sie stellen sie eher auf  flexiblere  Systeme um. Aus dem Grund gibt es nun Billys jüngeren Bruder mit Extratiefe, um Bildbände gut verstauen und präsentieren zu können. Bookless heißt übrigens ein anderer Trend, der vom Hersteller Interlübke kommt- Bücherregale werden zum Setzkasten im Großformat und passen sich auch gut in Räume ein. Auch da haben selbstverständlich Bücher ihren Platz, auch wenn der Name etwas anderes sagt.

 

© Klaus Morgenstern via posterlounge.de

Wir umgeben uns unglaublich gern mit Büchern, sie füllen einen Raum mit Leben und geben dem Zuhause seine Bedeutung, schließlich stehen ‚wir’ in dem Regal. Büchernarren könnten sich heute alle Wände sogar mit dem passenden Buchoutfit tapezieren oder mit Wandbildern als Buchhighlight nachhelfen. Nichts aber ersetzt das Buch in seiner reinen Papierform, denn:

Zuhause ist auch der Ort, an dem die Bücher warten.
(Ingo Schulze)

 

 

 

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